Dortmund, Deutschland

Gedenktafel zur Erinnerung an den Besuch Michail Gorbatschows

 
Vom 12. bis 15. Juni 1989 besuchte der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und Vorsitzende des Obersten Sowjets der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Michail Gorbatschow, die Bundesrepublik. Die Gespräche mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker bekräftigten den Wunsch nach einem Neuanfang in den deutsch-sowjetischen Beziehungen. Mit Blick auf die Zukunft sprachen beide Seiten von einem „Europäischen Haus“, in dem die Teilung des Kontinents überwunden werden sollte. Im Sinne eines partnerschaftlichen Verhältnisses unterzeichneten Kohl und Gorbatschow am 13. Juni die sogenannte Gemeinsame Erklärung. Neben dem Bekenntnis zu Menschenwürde, Minderheitenschutz, Abrüstung und Abrüstungskontrolle unterstrich das Dokument nicht zuletzt das Recht jedes Staates, selbstständig über seine politische und soziale Ordnung bestimmen zu können. Außerdem sprach es von einer „wohlwollende[n] Behandlung humanitärer Fragen, einschließlich der Familienzusammenführung und Reisen in das Ausland“. Fünf Monate vor dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 bekräftigte diese Formulierung auch den Wunsch der Menschen in der DDR nach Freizügigkeit und Selbstbestimmung. Der viertägige Staatsbesuch Gorbatschows markierte – neben der Unterzeichnung von elf weiteren Abkommen und Verträgen – einen Wendepunkt in den deutsch-sowjetischen Beziehungen und legte das Fundament für das Vertrauensverhältnis zwischen Bundeskanzler Kohl und dem Staats- und Parteichef der Sowjetunion. Breitenwirkung entfaltete der Besuch Gorbatschows jedoch nicht nur auf politischer Ebene. Bereits bei seiner Ankunft am Bonner Rathausplatz bereiteten ihm Tausende Zuschauer einen begeisterten Empfang. Die Menge skandierte Gorbi-Rufe und klatschte Beifall. Auch in der Westfalenhütte im Dortmunder Nordosten herrschte Volksfeststimmung, als Gorbatschow an seinem letzten Reisetag am 15. Juni 1989 die damaligen Hoesch-Werke besichtigte. Die Einladung zum Besuch des Hüttenwerks hatten zuvor 35 Betriebsräte gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden Werner Nass per Brief überreicht und waren erstaunt, dass der Generalsekretär des ZK der Sowjetunion tatsächlich einwilligte. In seiner Rede vor 9000 Stahlarbeitern unterstrich Gorbatschow: „Sie als Metallarbeiter und Hüttenwerker wissen, wie schwer es ist, Stahl zu produzieren, welcher Meisterschaft, welcher Arbeit und welchen Schweißes das bedarf. Bessere Beziehungen aufzubauen und diese Beziehungen in das Gleis der besseren Zusammenarbeit zu bringen, das ist eine noch kompliziertere Sache.“ So entstand in Rahmen der Veranstaltung die Idee, Gorbatschow für seine Bemühungen um Verständigung mit einer besonderen Auszeichnung zu ehren. Etwa anderthalb Jahre später – die Berliner Mauer war gefallen und die deutsche Einheit Wirklichkeit geworden – erhielt der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung am 10. Dezember 1990 den Friedensnobelpreis für seine Mitwirkung an der friedlichen Überwindung des Kalten Krieges. Seit Juli 1991 erinnert eine Gedenktafel auf dem Stützpfeiler einer Kranbahn am Auslauf der Conti-Glühe – in der heutigen Werkshalle von ThyssenKrupp Steel Europe – an den Besuch Gorbatschows in der Dortmunder Westfalenhütte und den Wunsch der damaligen Hoesch-Belegschaft, den Staats- und Parteichef der Sowjetunion zu ehren. Das von Hoesch-Auszubildenden gemeinsam mit ihrem Lehrmeister gefertigte Erinnerungszeichen zeigt oberhalb der Inschrift ein in Kupfer getriebenes Dortmund-Symbol. Darüber sind die Umrisse eines Hochofens angebracht, daneben ist die Gravur einer Brücke eingelassen. Diese schlägt eine Verbindung zur Sowjetunion, die in ihren kartografischen Umrissen dargestellt ist.

Inschriften

Inschrift der Gedenkstafel
(an der Frontseite)
An dieser Stelle sprach am 15. Juni 1989 der / sowjetische Partei und Staatschef / Michail Gorbatschow / zu den Stahlarbeitern des Ruhrgebiets. / Der Wunsch der Hoesch Belegschaft, ihn / zum Friedensnobelpreisträger zu ernennen, / ging am 10. Dezember 1990 in Erfüllung.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch