Panketal, Deutschland

Gedenktafel zur Erinnerung an das Zentrale Aufnahmeheim

 
Zwischen 1949 und 1989 flohen etwa vier Millionen Menschen aus der DDR. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch zahlreiche Menschen aus der Bundesrepublik und West-Berlin in die DDR übersiedelten. Bis zum Mauerbau 1961 waren es mehr als eine halbe Million und bis zur Friedlichen Revolution 1989 nochmals mehrere Tausend Menschen, die vom Westen in den Osten gingen. Dabei handelte es sich vorwiegend um ehemalige DDR-Bürger, die aus unterschiedlichen Gründen zurückkehrten, aber auch um Bundesbürger, die sich für ein Leben in der DDR entschieden hatten. Die Ankömmlinge wurden zunächst für mehrere Monate in Aufnahmeheimen untergebracht, von denen in der DDR bis 1979 mehrere existierten. Dort wurden sie auf ihre Vergangenheit und Gesinnung überprüft. Die DDR-Behörden befürchteten zum einen, dass sich unter den Aufnahmesuchenden westliche Spione befänden; zum anderen wurden sie als „kapitalistisch kontaminiert und daher als potentielle politisch-soziale Störenfriede“ (Bernd Stöver) angesehen. Eine große Zahl von Übersiedlern wurde deshalb zurückgewiesen; zwischen 1981 und 1985 wurden sogar mehr als die Hälfte der 1 100 überprüften Personen abgewiesen. Im Frühjahr 1979 eröffnete das Ministerium des Inneren das Zentrale Aufnahmeheim (ZAH) in der Schönerlinder Straße in Röntgental. Es war ab diesem Zeitpunkt die einzige Einrichtung zur Aufnahme von Übersiedlern aus der Bundesrepublik. Auf dem 2,8 Hektar großen Gelände, das von einem hohen Zaun aus Aluminiumplatten eingeschlossen war, konnten 117 Personen untergebracht werden. In der „Quarantäne“, die jeder Aufnahmesuchende zu durchlaufen hatte und die sich teilweise über Wochen hinzog, wurden die Menschen isoliert und verhört. Es wurden Fingerabdrücke genommen und medizinische Untersuchungen durchgeführt. Einige überstanden die haftähnlichen Bedingungen des Lagers nicht und wählten den Freitod. Während der Friedlichen Revolution 1989 demonstrierten Zepernicker Bürger vor der Einrichtung, um die Schließung und eine öffentliche Nutzung des Aufnahmeheims zu erreichen. 1990 wurde es geschlossen. Heute befindet sich hier ein Seniorenpflegeheim. Am 22. Dezember 2009 wurde eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Übersiedler aus dem Westen vor dem Pflegeheim eingeweiht.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
„ZAH wird FAH / An dieser Stelle befand sich von 1979 bis 1989 das Zentrale Aufnahmeheim (ZAH) des Ministeriums des Innern der DDR. / Die DDR-Behörden bezeichneten Übersiedler aus Westdeutschland oder DDR-Rückkehrer als "Aufnahmeersuchende" und setzten sie über mehrere Wochen im ZAH Röntgental fest. Die Betroffenen wurden hier von Volkspolizei und Staatssicherheit intensiv verhört und durchleuchtet. Man ließ sie im Unklaren darüber, wo sie sich befanden, wie lange ihr Aufenthalt im Heim dauern und ob die DDR sie überhaupt aufnehmen werde. Nicht alle Heiminsassen hatten die Kraft, diesen Bedingungen standzuhalten. Es kam im ZAH Röntgental zu Selbsttötungen und Selbstmordversuchen. / Im Dezember 1989 erreichten mutige Bürgerinnen und Bürger durch eine Demonstration, dass das ZAH geöffnet und danach in ein Seniorenpflegeheim / Feierabendheim - FAH umgewandelt wurde.“
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

22. Dezember 2009 - Einweihung
Gedenktafel zur Erinnerung an die Übersiedler aus dem Westen
1979 bis 1989 - Historie
Nutzung des Gebäudes aus Zentrale Aufnahmeheim (ZAH) des Ministeriums des Innern der DDR

Literatur

  • Tobias Wunschik:Migrationspolitische Hypertrophien: Aufnahme und Überwachung von Zuwanderen aus der Bundesrepublik Deutschland. In IMIS-Beiträge Heft 32/2007.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Schönerlinder Straße 11
  • Stadt: Panketal
  • Ortsteil: Zepernick
  • Gebiet: Brandenburg
  • Land: Deutschland