Dresden, Deutschland
Gedenktafel zum 17. Juni 1953
In Dresden begann der Aufstand am 17. Juni 1953 den SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) Sachsenwerken in Niedersedlitz, dem damals größten Industriebetrieb Dresdens, und erfasste innerhalb kurzer Zeit den VEB ABUS (Ausrüstungen und Getriebe für die Schwerindustrie). Hier war es Wilhelm Grothaus, der mit seinen Forderungen nach einem Rücktritt der Regierung, freien und geheimen Wahlen, Freilassung politischer Gefangener, Senkung der Lebensmittelpreise und Verbesserungen in der Sozialfürsorge den Arbeiteraufstand anführte. Große Teile der Bevölkerung Dresdens solidarisierten sich mit den Arbeitern des VEB ABUS und zogen gemeinsam mit ihnen und Arbeitern aus weiteren Betrieben in das Zentrum Dresdens, auf den Postplatz. Daraufhin verhängte der sowjetische Stadtkommandant Bogdanow ab 14 Uhr den Ausnahmezustand und der Postplatz wurde von der Kasernierten Volkspolizei und sowjetischen Militärs abgeriegelt. Als aufgebrachte Demonstranten das Post- und Telegrafenamt stürmen wollten, wurde geschossen. Die Kundgebungen und Streiks hielten jedoch an und konnten erst am nächsten Tag vollständig unterbunden werden. In der Nacht zum 18. Juni wurden die ersten sechs Mitglieder der Streikleitung verhaftet, darunter Wilhelm Grothaus. Ihn verurteilte das Bezirksgericht Dresden am 23. Juli 1953 in einem Schauprozess wegen „Boykotthetze“ und „faschistischer Propaganda“ zu einer fünfzehnjährigen Zuchthausstrafe. 1960 wurde er vorzeitig entlassen und flüchtete in den Westen.
1993 wurde auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung anlässlich des 40. Jahrestages des Volksaufstandes eine Gedenktafel am Postplatz angebracht. Zehn Jahre später, zum 50. Jahrestag des Volksaufstandes, wurde am 17. Juni 2003 die Hennigsdorfer Straße am Sachsenwerk in „Straße des 17. Juni“ umbenannt. 55 Jahre nach dem Volksaufstand, am 17. Juni 2008, wurde ein Mahnmal für die Opfer des Aufstandes auf dem Postplatz feierlich enthüllt. Das von der Dresdner Künstlerin Heidemarie Dreßel geschaffene Mahnmal besteht aus einer 5,70 Meter langen Kette eines russischen T34-Panzers. Die Kette ist im Gehweg in ein Sandbett eingelassen und bäumt sich am Ende 1,70 Meter in die Höhe. Eine davorliegende Bodenplatte trägt eine Inschrift.
Inschriften
Plakette am Denkmal
(an der Annenstraße / Ecke Marienstraße)
Volksaufstand / 17. Juni 1953 / Heidemarie Dreßel / in Kooperation mit dem / Förderverein Militärhistorisches Museum Dresden // Landeshauptstadt Dresden. 2008
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Bodenplatte vor dem Denkmal
(an der Annenstraße / Ecke Marienstraße)
Zur Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR /
Hier auf dem Postplatz demonstrierten / am 17. Juni 1953 / tausende Dresdnerinnen und Dresdener für Demokratie, / freie Wahlen und gegen die Willkür der kommunistischen Diktatur. / Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstandes / wurde viele von ihnen inhaftiert und verurteilt.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
17. Juni 2008 - Einweihung
Gedenktafel zum 17. Juni 1953 wird der Öffentlichkeit übergeben
17. Juni 1953 - Historie
Volksaufstand in der DDR, darunter auch in Leipzig
Literatur
- Roth, Heidi: Der 17. Juni 1953 in Sachsen, Köln 1999
- Russig, Peter: Wilhelm Grothaus – Dresdner Antifaschist und Aufstandsführer des 17. Juni, Dresden 1997
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Annenstraße / Ecke Marienstraße
- Stadt: Dresden
- Gebiet: Sachsen
- Land: Deutschland





