Schöneck, Deutschland

Gedenktafel „Wir sind das Volk“

 
Anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution wurde an der Stadtkirche St. Georg am 1. Dezember 2019 eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Ereignisse der Herbstes 1989 feierlich eingeweiht. Die Initiative zur Anbringung des Gedenkzeichens geht auf die Fraktion der Freien Wähler zurück, welche vom Stadtrat einhellig begrüßt wurde. Die Finanzierung wurde durch Spenden getragen. Im Frühherbst 1989 spitzte sich die allgemeine Krisenstimmung in der DDR zu. Der Unmut in der Bevölkerung über die verkrusteten Zustände im Land und die Reformunwilligkeit der SED-Führung verdichtete sich: Tausende ostdeutsche Bürger versuchten über die bundesdeutschen Botschaften in Warschau, Prag und Budapest ihre Ausreise in den Westen zu erzwingen; es formierten sich immer mehr oppositionelle Bewegungen wie das Neue Forum, Demokratischer Aufbruch und Demokratie Jetzt; zehntausende Menschen im ganzen Land kamen zu Friedensandachten, Fürbittgottesdiensten und zunehmend regierungskritischen Demonstrationen im ganzen Land zusammen. Angesichts der zahlreichen landesweiten Protestaktionen regte sich auch innerhalb des SED-Parteiapparates zunehmend Verdruss gegenüber dem amtierenden Generalsekretär Erich Honecker. In einem Coup – an dem maßgeblich auch Egon Krenz und Günther Schabowski beteiligt waren – beantragte der Vorsitzende des Ministerrates, Willi Stoph, bei einer Tagung des Politbüros am 17. Oktober 1989 die Ablösung Honeckers. Nachdem dieser bereits am nächsten Tag auf der 9. Tagung des Zentralkomitees der SED seinen Rücktritt bekannt gab, wurde Egon Krenz „einmütig“ als sein Nachfolger im Amt berufen. Der neue Mann an der Staats- und Parteispitze repräsentierte symbolhaft die Unterstützung der blutigen Niederschlagung des demokratischen Protestes auf dem Tiananmen-Platz in China am 4. Juni und war in seiner Funktion als Leiter der Zentralen Wahlkommission für die manipulierten Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 verantwortlich. In seiner am 18. Oktober vorgetragenen Fernsehansprache blieben nachhaltige Reformmaßnahmen aus. Der zunehmend entgleitende Einfluss der Partei sollte begrenzt und die Staatsmacht weiterhin gesichert werden. Gegen die Ernennung Krenz’ und dessen proklamierten Kurs formierte sich sogleich Widerstand, der sich in zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen entlud. Im Bezirk Dresden, zu dem auch der Kreis Klingenthal mit den Städten Markneukirchen und Schöneck zählte, kam es noch am 18. Oktober zu einem Protestmarsch. Während sich im benachbarten Markneukirchen etwa 2000 bis 3000 Personen mit Kerzen in der Hand zu einer Kundgebung zusammenfanden, bei der sie Reisefreiheit und Reformen forderten, versammelten sich zeitgleich in der evangelischen Kirchengemeinde in Schöneck rund 200 Menschen mit brennenden Kerzen zu einem Fürbittgebet. Als Krenz knapp eine Woche später, bei einer öffentlichen Sitzung der Volkskammer am 24. Oktober – obgleich mit zahlreichen Gegenstimmen – auch zum Vorsitzenden des Staatsrates sowie des Nationalen Verteidigungspaktes gewählt wurde, gingen die Menschen erneut auf die Straßen. Noch am selben Abend kamen in der Ost-Berliner Innenstand etwa 12 000 Personen zu einem Protestmarsch zusammen. In der Kreisstadt Klingenthal diskutierten zur selben Zeit Repräsentanten der SED-Kreisleitung, der Vorsitzende des Kreises sowie andere Funktionäre mit Bürgervertretern und Pfarrern. Letztere forderten die Beendigung des Machtmonopols der SED, die Abschaffung des Parteienblocks und proklamierten, dass „die alte Macht zu Ende ist“. Einen Tag später, am 25. Oktober 1989, demonstrierten in Markneukirchen nach einem Fürbittgottesdienst in der evangelischen Kirche etwa 6000 Menschen mit Transparenten und Kerzen. Zugleich versammelten sich in der Kirche in Schöneck 700 Bürger. Nach dem Gottesdienst entschlossen sie sich zu einem Demonstrationszug Richtung Rathaus, wo es zu einem Gespräch mit dem Bürgermeister kam. Auf dem Weg schlossen sich ihnen weitere 2500 Personen an. Am 6. November kamen erneut etwa 2500 Schönecker zusammen, um gegen die SED und für Reformen zu demonstrieren. Drei Tage später, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(an der Stadtkirche St. Georg)
Unter dem Motto: // „WIR SIND DAS VOLK“ / begann im Oktober 1989 an diesem Ort / durch mutige Bürger auch in Schöneck / die FRIEDLICHE REVOLUTION / welche das DDR Unrechtsregime / gewaltfrei zu Fall brachte. / Daran erinnern wir 30 Jahre danach / in DANKBARKEIT VOR GOTT“
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

Dezember 2019 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel „Wir sind das Volk“

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024