Salzwedel, Deutschland
Gedenktafel „Was wollen wir jetzt“
Anlässlich des 25. Jahrestages der Friedlichen Revolution wurde an der Katharinenkirche am 26. Oktober 2014 im Rahmen einer Erinnerungsfeier die Gedenktafel „Was wollen wir jetzt“ eingeweiht. Zu diesem Anlass verlieh die Hansestadt Salzwedel Pfarrer Joachim Hoffmann die Ehrenbürgerschaft. Hoffmann war Mitbegründer der örtlichen Vereinigung des Neuen Forum und Sprecher der Bürgerinitiative. Im Herbst 1989 hielt er das Friedensgebet unter dem „Dach der Wende“ in der Katharinenkirche ab und trug maßgeblich zum friedlichen Verlauf von Veranstaltungen und Demonstrationen bei. Gemeinsam mit anderen Akteuren des Neuen Forum, wie etwa Sabine Spangenberg und dem späteren Salzwedeler Bürgermeister Olaf Meining, gründete Hoffmann die Initiative „25 Jahre friedliche Revolution in Salzwedel“. Diese setzte sich für die Errichtung einer Gedenktafel an der Katharinenkirche ein. Die nach einem Entwurf des Künstlers Hartmut Rompel gestaltete Bronzetafel trägt den Titel „Was wollen wir jetzt“ und bezieht sich damit auf den gleichnamigen Forderungskatalog des Neuen Forum Salzwedel. Im Gedenken an den 2018 verstorbenen Joachim Hoffmann pflanzten Mitglieder der Jungen Gemeinde und des Neuen Forum im November 2019 eine Linde an der Katharinenkirche.
Bereits am 22. September 1989 traf sich im Gemeindesaal der Katharinenkirche eine kleine Gruppe interessierter Bürger, um über den Anfang des Monats veröffentlichten Aufruf des Neuen Forum „Aufbruch 89“ zu diskutieren. Nur wenige Wochen später versammelten sich am 13. Oktober etwa 80 Bürger, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Spontan unterzeichneten 60 Anwesende den Gründungsaufruf des Neuen Forum. Bei der anschließenden Zusammenkunft am 20. Oktober kamen bereits mehr als 500 Menschen in die Katharinenkirche. Zuvor hatte ein Sprecherrat in Vorbereitung auf das Treffen ein Arbeitspapier unter dem Titel „Was wollen wir jetzt?“ erstellt. Darin formulierte Thesen erörterten Reformen im Land und bekräftigten den Wunsch nach Dialog. Das nächste Treffen zu einem Friedensgebet sollte am 26. Oktober stattfinden. Am Vormittag dieses Tages erhielt Pfarrer Joachim Hoffmann einen Anruf vom Ersten Sekretär der SED-Kreisleitung in Salzwedel. Drohend machte der Funktionär darauf aufmerksam, dass „die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden seien“. Sollte es am Abend zu einer weiteren Demonstration kommen, werde die Staatsmacht eingreifen. Nichtsdestotrotz versammelten sich in der Katharinenkirche etwa 2000 Menschen zum Gebet und sangen: „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen...“. Der Abend blieb friedlich, es gelang ein Einschreiten der Sicherheitskräfte abzuwenden. Nur wenige Tage später beantragte das Neue Forum Salzwedel, am 31. Oktober 1989, die offizielle Zulassung als politische Organisation. Am 4. November trugen die Bürger ihren Protest aus dem Schutzraum der Kirche zum ersten Mal offen auf die Straße. An dem vom Neuen Forum angemeldeten Schweigemarsch nahmen schätzungsweise 6000 Personen teil. Die Demonstrationsroute verlief von der Straße der Freundschaft quer durch die Stadt und endete an der Marienkirche. Polizisten, die am Rande der Veranstaltung den Verkehr regelten, erhielten von den Demonstranten Blumen. Auf den mitgebrachten Transparenten hieß es „Neues Forum, neue Hoffnung“, „Pressefreiheit“ und „Schluss mit der SED-Diktatur“. Weitere Protestkundgebungen folgten. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(an der Katharinenkirche)
Was / wollen / wir / jetzt … // Zur Erinnerung an die / friedliche Revolution / im Hebst 1989 / die in Salzwedel / von dieser Kirche / ausging
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
Oktober 2014 - Einweihung
Einwiehung der Gedenktafel „Was wollen wir jetzt“
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: an der Katharinenkirche 1
- Stadt: Salzwedel
- Gebiet: Sachsen-Anhalt
- Land: Deutschland
