Berlin, Deutschland
Gedenktafel für Wolfgang Fuchs
An der Bernauer Straße machen Eisenplatten im Bereich des ehemaligen Todesstreifens den Verlauf früherer Fluchttunnel sichtbar. Zwei dieser Markierungen verlaufen im Abstand von nur fünf Metern parallel zueinander. Eine Gedenktafel am benachbarten Haus Bernauer Straße 97 erinnert an den Fluchthelfer Wolfgang Fuchs (1939 – 2001), der an beiden Tunnelprojekten beteiligt war.
Fuchs hatte die DDR bereits als Jugendlicher verlassen. Weil ihn die Mauer von Frau und Kindern trennte, verhalf er ihnen im März 1962 als erstes zur Flucht. Später unternahm er mit Freunden mehrere Tunnelgrabungen. Ab Juli 1963 organisierte Fuchs den Bau zweier Tunnel von der Bernauer Straße aus. Der erste war im Januar 1964 fertig, konnte jedoch nur von drei flüchtenden Mädchen benutzt werden, bevor er entdeckt wurde. Der zweite, parallel geführte Tunnel war 145 Meter lang und verlief in zehn Metern Tiefe. Am 3. und 5. Oktober 1964 konnten insgesamt 57 Personen durch den schmalen Gang in die Freiheit fliehen. Der „Tunnel 57“ gilt als der erfolgreichste aller Fluchttunnel.
Die Bronzetafel im Eingang des heutigen Hauses Nr. 97 ist von der Straße aus kaum wahrnehmbar.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(an der Gebäudefassade)
Vom Keller einer stillgelegten Bäckerei des 1968 abgerissenen / Hauses Bernauer Straße 97 haben / Wolfgang Fuchs / *8. Januar 1939 in Jena +7. Juni 2001 in Berlin / und seine Freunde 1963 und 1964 in jeweils halbjähriger Arbeit zwei / rund 145 Meter lange Tunnel in 10 Metern Tiefe zur Strelitzer Straße / 54/55 nach Ost-Berlin gegraben. Sie wollten Menschen aus der DDR / die Flucht unter der Mauer hindurch in die Freiheit ermöglichen. / In der Nacht des 7./8. Januar 1964 konnten drei Frauen durch den / ersten Tunnel flüchten. Am darauffolgenden Tag wurde dem Staats- / sicherheitsdienst der DDR der Tunnel bekannt und durch Einwurf / einer Granate unpassierbar. / Durch den etwa 5 Meter parallel dazu gegrabenen zweiten Tunnel / gelangten in den Nächten zwischen dem 3. Und 5. Oktober 1964 / insgesamt 57 Männer, Frauen und Kinder in den Westen. / Dieser »Tunnel 57« war der erfolgreichste Fluchttunnel in Berlin. / Die DDR legte daraufhin in 6-8 Metern Tiefe einen quer verlaufen- / den Gegentunnel an, der mit Abhörtechnik ausgestattet wurde, / um weitere Grabungen frühzeitig orten zu können. / Der Bau weiterer Fluchttunnel wurde damit an diesem Abschnitt / der innerstädtischen Grenzanlagen unmöglich gemacht. / Gestiftet von den Freunden von Wolfgang Fuchs / und dem Berliner Unterwelten e.V. Berlin, im Oktober 2011
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
Oktober 2011 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Wolfgang Fuchs
7. Januar 1964 - Historie
Erfolgreiche Flucht von drei Personen durch den Tunnel in der Bernauer Straße 97
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Bernauer Straße 97
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Mitte
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
