Freiberg, Deutschland

Gedenktafel für Werner Hartenstein

 
Der Rechtswissenschaftler Dr. Werner Hartenstein (1879–1947) war von 1924 bis 1945 Oberbürgermeister der sächsischen Bergstadt Freiberg. 1933 trat er in die NSDAP ein. Verdienste um seine Stadt erwarb er sich am Ende des Zweiten Weltkrieges, als er Freiberg vor unnötigen Verlusten bewahrte. Die Sinnlosigkeit weiterer Kampfhandlungen erkennend, hatte Hartenstein mit wenigen Eingeweihten insgeheim die Kapitulation vorbereitet. Dabei riskierte er nicht nur seine Amtsenthebung, sondern auch die Todesstrafe wegen „Wehrkraftzersetzung“ – auch in Sachsen arbeiteten noch Standgerichte. Am 7. Mai 1945 um 11:15 Uhr ließ Hartenstein auf dem Petriturm eine weiße Fahne hissen, nachdem 15 Minuten vorher die letzte Panzerjägereinheit der Wehrmacht die Bergstadt verlassen hatte. Hartenstein hatte darauf beharrt, dass Freiberg Lazarettstadt sei und konnte so einen Artillerieoffizier, der in der Nähe des Schlosses Geschütze zum Kampf vorbereiten ließ, zum Abzug seiner Truppen bewegen. Anschließend erklärte er im Rathaus gegenüber einem Oberst der Roten Armee die Übergabe Freibergs. Die Stadt wurde kampflos besetzt und konnte als eine der wenigen Städten gleicher Größe, das Ende des Krieges ohne größere Zerstörung erleben. Von der sowjetischen Besatzungsmacht wurde Hartenstein zunächst im Amt belassen, als ehemaliges Mitglied der NSDAP aber am 2. Juni 1945 auf zentralen Befehl vom Posten des Oberbürgermeister abgesetzt. Anfang August verhaftete ihn die sowjetische Geheimpolizei NKWD und brachte ihn in das Gefängnis von Freiberg. Von dort wurde er Mitte September 1945 mit etwa 30 weiteren Häftlingen in das Speziallager Bautzen transportiert und ein Jahr später in das Speziallager Jamlitz verbracht, wo er am 11. Februar 1947 starb. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung Freiberg wurde am 7. Mai 1995 eine Gedenktafel an der ehemaligen Dienstwohnung von Werner Hartenstein in der Beethovenstraße enthüllt. Sie trägt eine Inschrift.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(an der ehemaligen Dienstwohnung von Werner Hartenstein)
Dr. W. Hartenstein / Oberbürgermeister 1924–1945 / † 1947 im Lager Jamlitz / Sein besonnenes Handeln / bewahrte Freiberg 1945 / vor sinnloser Zerstörung / Die Stadt Freiberg
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

7. Mai 1995 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Werner Hartenstein

Literatur

  • Bannis, Volker/Sippel, Dorothee: Dr. jur.Werner Hartenstein (1879–1947) – ein Leben für Freiberg, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 1992, Heft 72
  • Erinnerungen an den Tag der Befreiung, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 1995, Heft 75, S. 55ff
  • Ratsprotokoll: Die Verabschiedung von OB Dr. Hartenstein am 4.6.1945 im Rathaus, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 1995, H. 75, S. 70f

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Beethovenstraße 7
  • Stadt: Freiberg
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland