Berlin, Deutschland
Gedenktafel für Roger Loewig
Der aus Niederschlesien stammende Roger Loewig (1930–1997) geriet früh in Konflikt zum SED-Regime, das seine künstlerische Entfaltung als Maler und Zeichner sowie als Dichter zu unterbinden versuchte. Loewig verfolgte in der Malerei und Grafik wie in der Dichtung konsequent seinen eigenen Weg. Seine Werke zeugen von einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, dem Leiden der Menschen im Krieg und dessen Folgen.
Roger Loewig kam als Vertriebener in die SBZ, wo er in der Lausitz als Land- und Forstarbeiter die schweren Nachkriegsjahre überstand. Später fand er in Ost-Berlin ein Auskommen als Lehrer für Russisch, Deutsch und Geschichte. Eine erste Ausstellung seiner Werke in privaten Räumen hatte im August 1963 seine Verhaftung durch das MfS zu Folge. Wenig später kam es zum Prozess, in dem er wegen „staatsgefährdender Hetze und Propaganda in schwerwiegenden Fällen“ verurteilt wurde. Seitens der Bundesregierung bemühte man sich um die Haftentlassung des Künstlers, die 1964 tatsächlich erfolgte. Danach war eine Tätigkeit im Schuldienst der DDR für Roger Loewig nicht mehr möglich, so dass er unter schwierigen Bedingungen als freischaffender Künstler in der DDR weiterarbeitete. 1972 erhielt er nach erneuten Anstrengungen der Bundesregierung schließlich die Möglichkeit, nach West-Berlin auszureisen.
Dort widmete Loewig sein künstlerisches Schaffen immer wieder existenziellen Fragen der Menschheit und setzte sich mit Themen wie Freiheit und Unfreiheit, Schuld und Leid, Repression und Unterdrückung wie auch dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinander.
Roger Loewig starb am 4. November 1997 nach schwerer Krankheit in Berlin. Seine Werke fanden weltweit Beachtung. Als erstem deutschem Künstler wurde ihm 1992 die Ehre zuteil, im Lagermuseum des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz seine Kunstwerke zeigen zu dürfen. Für sein künstlerisches Schaffen und Lebenswerk erhielt er im Oktober 1997 das Bundesvererdienstkreuz 1. Klasse. Im März 1998 gründeten Freunde und Künstler die Roger Loewig Gesellschaft e.V., um das künstlerische Gesamtwerk zu bewahren, der Öffentlichkeit vorzustellen und es wissenschaftlich zu erschließen. Am 22. November 2002 wurde auf Initiative der Gesellschaft für den Maler, Zeichner und Dichter eine Gedenktafel der Historischen Kommission von Berlin enthüllt. Diese mit einer Inschrift versehene Tafel befindet sich am Gebäude Wilhelmsruher Damm 120, wo Roger Loewig und seine Lebensgefährtin Creszentia Troike-Loewig seit ihrer Ausreise aus der DDR lebten und arbeiteten.
Die abschließenden Zeilen entstammen dem Gedicht „Dieses deutsche Land“ von Roger Loewig. Der rund 3.500 Werke umfassende künstlerische Nachlass befindet sich seit 2004 im Archiv der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und ist über ein Findbuch recherchierbar.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(am Gebäude Wilhelmsruher Damm 120)
Berliner Gedenktafel / In diesem Hause lebte und arbeitete / unterstützt von seiner Lebensgefährtin / Creszentia Troike-Loewig / der Maler, Zeichner und Dichter / ROGER LOEWIG / 5.9.1930–4.11.1997 / 1972 verließ er die DDR / Daß mir nur dieses eine bliebe / nur dieses schlimme deutsche Land / das ich so hasse, das ich liebe / an das ich eisig festgebrannt.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Informationsheft der Roge-Loewig-Gesellschaft, Berlin 1999
- Feist, Ursula: Leid-Erfahrung. Der Dichter und Bildkünstler Roger Loewig. Eine Collage, in: Kunstdokumentation SBZ/DDR 1945–1990. Aufsätze – Berichte – Materialien, hrsg. von Günter Feist u. a., Köln 1996, S. 639–653
- Loewig, Roger: Auf der Suche nach Menschenland. Ausstellung Museum Nicolaihaus, Berlin 2000
- Loewig, Roger: „Mein Kopf fliegt als Mond über dieses Land“. Gedichte, Berlin 2002
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Wilhelmsruher Damm 120
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Reinickendorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
