Berlin, Deutschland
Gedenktafel für Peter Huchel
Peter Huchel (1903–1981) war Dichter und Chefredakteur der von der Akademie der Künste in Ost-Berlin herausgegebenen Zeitschrift „Sinn und Form“. In dieser Funktion geriet er wegen seiner Offenheit für zeitgenössische künstlerische und philosophische Strömungen außerhalb des offiziell abgesegneten Kanons wiederholt in Konflikt mit der ideologisch engstirnigen DDR-Kulturpolitik.
Der im märkischen Alt-Langewisch aufgewachsene Huchel hatte nach dem Besuch des Gymnasiums in Potsdam Philosophie und Literatur an den Universitäten Freiburg, Berlin und Wien studiert. Seit 1925 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin. Nach Kriegsteilnahme und Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft beteiligte er sich am Aufbau des sowjetisch lizenzierten Berliner Rundfunks und war dessen künstlerischer Leiter; ab 1949 wirkte er als Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Nach dem Tod von Bertold Brecht 1956, dessen Fürsprache eine frühere Entlassung Huchels als Chefredakteur rückgängig machen konnte, geriet der Nationalpreisträger der DDR (1951) immer stärker unter Druck. Schließlich wurde im November 1962 sein Rücktritt an der Spitze von „Sinn und Form“ erzwungen. Zudem wurde Huchel auf dem VI. Parteitag der SED am 18. Januar 1963 öffentlich gemaßregelt. Seither lebte der Dichter von der Außenwelt weitgehend isoliert und von der Staatssicherheit streng überwacht in seinem Haus in Wilhelmshorst bei Potsdam. Er durfte nicht reisen und seine Post wurde konfisziert.
Nach Interventionen der Akademien der Künste West-Berlin, Hamburg und Bayern sowie des Präsidenten des Internationalen PEN-Clubs und Heinrich Bölls durften Huchel und dessen Frau im April 1971 aus der DDR ausreisen. Er ging zunächst als Stipendiat der Villa Massimo nach Italien und siedelte dann in die Bundesrepublik über, wo er bis zu seinem Tod 1981 in Staufen lebte.
Am 14. Juli 1994 wurde an Huchels Geburtshaus eine Gedenktafel mit einer Inschrift enthüllt.
Die frühere Alexander-Abusch-Straße im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, trägt seit dem 5. Juni 1992 seinen Namen. Im Oktober 1997 wurde sein ehemaliges Wohnhaus in Wilhelmshorst als Gedenkstätte und Literaturhaus eröffnet. Erinnert an ihn wird auch an einem Wohnhaus, in dem er von 1931 bis 1933 lebte.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(am Eingang des Geburtshauses von Peter Huchel)
BERLINER GEDENKTAFEL // Geburtshaus von / PETER HUCHEL / 3.4.1903 – 30.4.1981 / Schriftsteller, Lyriker / Herausgeber / der Literaturzeitschrift / „Sinn und Form“
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Huchel, Peter: Gesammelte Werke in zwei Bänden, Frankfurt a. M. 1984
- Walther, Peter (Hrsg.): Am Tage meines Fortgehens. Peter Huchel (1903–1981). Begleitband zur Ausstellung des Brandenburgischen Literaturbüros, Frankfurt a. M./Leipzig 1996
- Jäger, Andrea: Schriftsteller aus der DDR: Ausbürgerungen und Übersiedlungen von 1961 bis 1989, Frankfurt a. M. (u.a.) 1995, [2 Bde.] T 1: Autorenlexikon, T 2: Studie
- Nijssen, H.: Der heimliche König. Leben und Werk von Peter Huchel, Würzburg 1998
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Hindenburgdamm 32
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Steglitz-Zehlendorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland

