Rippicha, Deutschland

Gedenktafel für Oskar Brüsewitz

 
Der Zeitzer Pfarrer Oskar Brüsewitz wurde bekannt durch seine spektakulären Aktionen, mit denen er einerseits für die Kirche warb und andererseits die Kirchenfeindlichkeit der DDR anprangerte. So installierte er 1969 ein 2,50 Meter hohes Neonkreuz, das in Richtung einer Fernverkehrsstraße leuchtete. An der 25-Jahr-Feiern der DDR beteiligte er sich mit edem Plakat „2000 Jahre Kirche Jesu Christi“. In der Gemeinde engagierte er sich für Kinder, Jugendliche, sozial Schwache und Kranke. Brüsewitz richtete einen „evangelischen Kinderspielplatz“ ein, veranstaltete Fußballspiele und „Kreiskindertage“. Durch seine alternativen Denk- und Handlungsweisen geriet er in Konflikt mit dem SED-Staat. Die SED-Führung forderte die Versetzung Brüsewitz’ und auch die offizielle Kirchenführung ging auf Distanz zu ihm. Der Konflikt spitzte sich zu. Am 18. August 1976 kam es zum „Fanal von Zeitz“. Brüsewitz stellte im Stadtzentrum Protestplakate auf, die den Kommunismus anklagten. Er übergoss sich mit Benzin und zündete sich an. Vier Tage später verstarb der Pfarrer im Krankenhaus. Die Selbstverbrennung, als bewusste politische Aktion verstanden, wurde zum Fanal kirchlichen Widerstands in der DDR. Anlässlich des 30. Todestages von Oskar Brüsewitz wurde am 1. Juli 2006 in seiner Heimatgemeinde an der Pfarrkirche Rippicha eine Gedenktafel in der Reihe „Orte der Zivilcourage“ eingeweiht. Bei der Einweihung betonte der Pfarrer und frühere DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann, dass Brüsewitz‘ Flammenzeichen der Notruf eines verzweifelten Christen und sein Opfertod ein politischer Protest gegen die Unterdrückung von Christen und die Indoktrination der Jugend gewesen sei. Die Selbstverbrennung setzte innerhalb der evangelischen Kirche einen Emanzipationsprozess in Gang, der sich zu einer vernetzten innerkirchlichen Oppositionsbewegung entwickelte. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach der Rolle der Kirche im sozialistischen Staat.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(an der Pfarrkirche)
Orte der Zivilcourage / Oskar Brüsewitz / (Pfarrer in Rippicha 1970–1976) / Streiter für Christus, Kämpfer gegen Unrecht / Unter seinem Transparent mit der Aufschrift / ,Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus / an wegen Unterdrückung in Schulen / an Kindern und Jugendlichen!' / versuchte Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 / auf dem Zeitzer Michaeliskirchplatz / mit einer öffentlichen Selbstverbrennung / die Menschen wachzurütteln.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1. Juli 2006 - Einweihung
Einweihung Gedenktafel für Oskar Brüsewitz

Literatur

  • Klier, Freya: Oskar Brüsewitz. Leben und Tod eines mutigen DDR-Pfarrers, Berlin 2004

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Unbekannt
  • Standort: An der Pfarrkirche
  • Stadt: Rippicha
  • Gebiet: Sachsen-Anhalt
  • Land: Deutschland