Güstrow, Deutschland
Gedenktafel für Karl-Alfred Gedowsky
Nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, machte der 20-jährige Schüler Karl-Alfred Gedowsky im Jahr 1948 an der Brinckman-Oberschule sein Abitur. An der Universität Rostock begann er Deutsch und Sport zu und legte 1950 das Lehrerexamen ab. Wegen seiner Kontakte zum West-Berliner Amt für gesamtdeutsche Studentenfragen wurde er verhaftet und zusammen mit anderen Kommilitonen wegen „Spionage“ angeklagt. Am 6. Dezember 1951 verurteilte ein SMT in Schwerin Gedowsky und Alfred Gerlach zum Tode. Die anderen Angeklagten erhielten jeweils 15 bis 25 Jahre Haft. Alfred Gerlachs Todesstrafe wurde in eine Haftstrafe von 25 Jahren umgewandelt. Gedowsky wurde am 26. März 1952 in Moskau hingerichtet. Wenige Tage zuvor war sein Gnadengesuch vom Präsidium des Obersten Sowjets abgelehnt worden. Die Familie erfuhr nichts über sein Schicksal. Die zusammen mit Gedowsky verurteilten Studenten kehrten 1955 nach Deutschland zurück. Erst nach der Öffnung der Archive der früheren Sowjetunion in den 1990er Jahren konnten Verbleib und Todesumstände von Karl-Alfred Gedowkys aufgeklärt werden. Am 24. Juli 1995 wurde er von der russischen Militärstaatsanwaltschaft rehabilitiert.
Aus Anlass des 70. Geburtstages von Karl-Alfred Gedowsky fand 1997 am John-Brinkman-Gymnasium eine Podiumsdiskussion statt. Nachdem 2002 die Anbringung einer Gedenktafel beschlossen worden war, konnte diese am 29. April 2003 gemeinsam durch die Stadt Güstrow, die Schulleitung und den Verband ehemaliger Rostocker Studenten (VERS) am Eingang des John-Brinckman-Gymnasiums enthüllt werden. Sie befindet sich rechts vom Eingang an der Ostseite des Gebäudes auf dem Domplatz. Ebenfalls auf Antrag des Verbandes ehemaliger Rostocker Studenten wurde Karl-Alfred Gedowsky im Februar 2003 schließlich vom Generalstaatsanwalt in Russland rehabilitiert.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(am John-Brinckman-Gymnasium)
Karl-Alfred Gedowsky / war bis 1948 Schüler der John-Brinckman-Schule. / Er wurde auf Grund seines Widerstands / gegen das kommunistische System vom / Sowjetischen Militärtribunal Schwerin zum Tode verurteilt / und am 26. März 1952 in Moskau hingerichtet.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
29. April 2003 - Einweihung
Gedenktafel für Karl-Alfred Gedowsky wird der Öffentlichkeit übergeben
26. März 1952 - Historie
Karl-Alfred Gedowsky wird in Moskau hingerichtet
6. Dezember 1951 - Historie
Ein Sowjetisches Militärtribunal in Schwerin verurteilt Karl-Alfred Gedowsky zum Tode
Literatur
- Wockenfuß, Karl: Einblicke in Akten und Schicksale Rostocker Studenten und Professoren nach 1945, Rostock o. J
- „Erschossen in Moskau …“. Totenbuch für die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Friedhof Donskoje 1950–1953. Hrsg. von Facts & Files (Berlin), Memorial (Moskau) und der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin), Berlin 2005
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: John-Brinckman-Gymnasium, Am Wall 6
- Stadt: Güstrow
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland
