Berlin, Deutschland
Gedenktafel für Hermann Brill
Der Jurist und Staatsrechtler Hermann L. Brill (1895–1959), Sozialdemokrat seit 1912 und während der Weimarer Republik aktiver SPD-Politiker, war überzeugter Gegner und politisch Verfolgter des Nationalsozialismus. Auf Betreiben von Walter Ulbricht verlor Brill, ein Überlebender des KZ Buchenwald, im Sommer 1945 seine Stellung als Regierungspräsident in Thüringen, wurde verhaftet und musste die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) verlassen.
Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald war Hermann Brill einer der maßgeblichen Autoren des „Buchenwalder Manifestes“ vom 21. April 1945, in dem mit großer Weitsicht ein im linken Widerstand erarbeitetes Regierungsprogramm für eine deutsche Volksregierung formuliert wurde. Im Auftrag der amerikanischen Alliierten, die auf ihrem Vormarsch bis an die Elbe zunächst auch Thüringen befreit hatten, bereitete Brill den administrativen Neuaufbau Thüringens vor. Er wurde dort am 9. Juni 1945 als erster Regierungspräsident eingesetzt und gründete noch am 8. Juli in Weimar eine neue linke Partei, den Bund demokratischer Sozialisten – SPD (BdS-SPD). Dieser war ein erster Versuch, die verhängnisvolle Spaltung der deutschen Linken zu überwinden. Doch seine Vorstellungen zum Neuanfang der Arbeiterbewegung in Deutschland kollidierten mit denen der sowjetischen Besatzungsmacht, die Thüringen gemäß der in Jalta getroffenen alliierten Vereinbarungen zwischen dem 2. und 6. Juli 1945 als Teil der SBZ übernahm.
Zwei Wochen später wurde Brill auf Betreiben Walter Ulbrichts als Regierungspräsident abgesetzt. Zweimal wurde er verhaftet und verhört. Schließlich erklärten ihn die neuen sowjetischen Machthaber in seinem Heimatland Thüringen zur „Unperson“. Er flüchtete aus Thüringen und ging Ende 1945 zunächst als Berater der amerikanischen Militärverwaltung nach West-Berlin.
Von 1946 bis 1949 war Brill Chef der hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. Von 1949 bis 1953 war er Mitglied des ersten Deutschen Bundestages. In Frankfurt am Main und Speyer lehrte er Verfassungsgeschichte und Staatslehre. Die Einführung der Politologie als Studienfach geht auf ihn zurück. Bis zu seinem Tod war Hermann Louis Brill Berater der hessischen Landesregierung.
Die im Jahr 1989 an Brills ehemaligem Wohnhaus angebrachte Bronzetafel ersetzt eine frühere Tafel.
Inschriften
Inschrift der Bronzetafel
(am ehemaligen Wohnhaus von Hermann Brill)
Hier lebte von 1934 bis zu seiner Verhaftung / als Widerstandskämpfer im Jahre 1938 / Professor Dr. jur. Hermann Brill / Demokrat – Politiker – Wissenschaftler / Mitglied des Deutschen Reichstages / Mitglied des 1. Deutschen Bundestages / Minister des Landes Thüringen / Staatssekretär im Bundesland Hessen / geboren 9.2.1895 gestorben 22.6.1959
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inscharift der alten Gedenktafel
(am ehemaligen Wohnhaus von Hermann Brill)
Prof. Dr. jur. Hermann Brill, Mitglied des Reichstags, Mitglied des ersten Deutschen Bundestages, Minister des Landes Hessen, Staatssekretär in Hessen, *9.2.1895 – †22.6.1959, wohnte in diesem Hause von 1934 bis zu seiner Verhaftung 1938.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Veen, Hans-Joachim/Eisenfeld, Peter/Kloth, Hans-Michael/Knabe, Hubertus/Maser, Peter/Neubert, Ehrhart/Wilke, Manfred (Hrsg.): Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur, Berlin, München 2000
- Overesch, Manfred: Hermann Brill und die Neuanfänge deutscher Politik in Thüringen 1945, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 22.1974, H. 27, S. 524–569
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Karlsruher Straße 13
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
