Berlin, Deutschland

Gedenktafel für Ernst Bloch

 
Mehrmals in seinem Leben musste der Schriftsteller und Philosoph Ernst Bloch (1885–1977) emigrieren. Der Kriegsgegner ging während des Ersten Weltkrieges in die Schweiz. Danach kehrte er zwar nach Deutschland zurück, musste aber als Jude 1933 erneut in die Schweiz flüchten. Der marxistische Philosoph gelangte 1938 über Österreich, Paris und Prag in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er an die Universität Leipzig berufen und siedelte 1949 in die DDR über. Bloch galt zunächst als der bedeutendste Philosoph der DDR. Ab 1956 geriet er zunehmend wegen seiner Sympathien für die politische Veränderungen in Polen und die Revolution in Ungarn 1956 unter Druck. Blochs Philosophie wurde als „nicht-marxistisch“ und „revisionistisch“ bekämpft. Ab Anfang 1957 konnte er nicht mehr an seinem Institut lehren und in der DDR nicht mehr publizieren. Das MfS beobachtete nicht nur Bloch, auch seine Schüler und Assistenten wurden verfolgt. Ab 1959 veröffentlichte er seine Schriften in der Bundesrepublik Deutschland. Bloch befand sich in Westdeutschland, als im August 1961 die Mauer gebaut wurde. Er kehrte nicht in die DDR zurück und übernahm in Tübingen eine Gastprofessur. Mit seinen Theorien beeinflusste er in den 1960er Jahren die Studentenbewegung. In seiner Geburtsstadt Ludwigshafen am Rhein wurde Bloch am 8. Juni 1970 zum Ehrenbürger ernannt. Zudem stiftete die Stadt einen Ernst-Bloch-Preis für hervorragende philosophische oder sonstige wissenschaftliche Arbeiten. Die Gedenktafel an einem Berliner Wohnhaus Ernst Blochs enthüllten am 27. November 1991 der Wilmersdorfer Bezirksbürgermeister, Horst Dohm, und der Präsident der Akademie der Künste, Walter Jens. Sie war vom Bezirksamt Wilmersdorf für das von der Berliner Sparkasse gestiftete Programm „Berliner Gedenktafel“ vorgeschlagen und realisiert worden.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Wohnhaus Ernst Blochs)
Berliner Gedenktafel / Hier lebte von 1931 bis 1933 / Ernst Bloch / 8.7.1885 – 4.8.1977 / Philosoph, begann hier sein Werk ‚Erbschaft dieser Zeit‘. / Seit 1933 im Exil, zuletzt in den USA, schrieb dort / ‚Das Prinzip Hoffnung‘. Seit 1949 Professor in Leipzig, / wurde dort 1957 zwangsemeritiert. / Seit 1961 Professor in Tübingen
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • Münster, Arno: Ernst Bloch. Eine politische Biographie, Berlin 2004
  • Zwerenz, Ingrid/Zwerenz, Gerhard: Sklavensprache und Revolte. Der Bloch-Kreis und seine Feinde in Ost und West, Hamburg 2004

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Kreuznacher Straße 52
  • Stadt: Berlin
  • Ortsteil: Charlottenburg-Wilmersdorf
  • Gebiet: Berlin
  • Land: Deutschland