Werdau, Deutschland

Gedenktafel für die Werdauer Oberschüler

 
Am 3. Oktober 1951 wurde in einem Prozess vor dem Landgericht Zwickau das Urteil über 19 Schüler aus Werdau gesprochen. Bei den Verurteilten handelte es sich in der Mehrzahl um Schüler des heutigen Alexander von Humboldt-Gymnasiums. Sie waren mit selbstgefertigten Flugblättern für die Einheit Deutschlands eingetreten, hatten gegen den stalinistischen Terror protestiert und die Legitimation der SED-Herrschaft in Frage gestellt. Ihnen wurde daraufhin auf der Grundlage von zutreffenden und erdichteten Vorwürfen „Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen der DDR“ vorgeworfen. In den DDR-Medien wurde der Prozess totgeschwiegen. Als der West-Berliner Sender RIAS, dessen Programm auch von einer westdeutschen Sendeanlage an der Südgrenze der DDR ausgestrahlt wurde, über den Schülerprozess berichtete, schaltete man zum Zeitpunkt der Sendung in der Stadt Werdau den Strom ab. Die Verhaftung der Gruppe erfolgte im Mai 1951. Monate später wurden drakonische Strafen verhängt: Die 19 Verurteilten erhielten zusammen 130 Jahre Zuchthaus. Das höchste Strafmaß erhielt ein 17-Jähriger: 15 Jahre. Die Chance sich zu verteidigen, bestand weder nach der Verhaftung noch während der Prozesse. Die Öffentlichkeit blieb ausgeschlossen. Zuvor hatte man versucht, die Jugendlichen mit Isolierung, Dunkelhaft und psychischer Folter geständig zu machen. Erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU und der Abrechnung mit Stalin im Februar 1956 wurden die letzten inhaftierten Jugendlichen aus der Haft entlassen. Um keinen aus der Gruppe zu gefährden, warteten die bereits zuvor freigekommenen Mitglieder der ehemaligen Oppositionsgruppe, bevor die meisten von ihnen in den Westen gingen. Nur wenige blieben in Werdau. Heute sind die „Werdauer Oberschüler“ rehabilitiert. Im Jahre 1997 wurde zur Erinnerung an die „Werdauer Oberschüler“ im Gymnasium „Alexander von Humboldt“ eine Gedenktafel eingeweiht.

Inschriften

Inschrift der Gedebktafel
(im Gymnasium „Alexander von Humboldt“)
Zum Gedenken / an die 19 Jugendlichen, / die am 3. Oktober 1951 / im Prozess gegen die / Werdauer Oberschüler / von der SED-Justiz / zu insgesamt 130 Jahren / Zuchthaus verurteilt / wurden. / In selbstgefertigten / Flugblättern traten / sie für die Einheit / Deutschlands ein und / protestierten gegen / stalinistischen Terror
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1997 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die Werdauer Oberschüler
3. Oktober 1951 - Historie
Werderaner Jugendliche werden von der SED-Unrechtsjustiz für ihre Protestaktionen verurteilt

Literatur

  • Beyer, Achim: Urteil: 130 Jahre Zuchthaus. Jugendwiderstand in der DDR und der Prozess gegen die „Werdauer Oberschüler“, Leipzig 2003 (= Schriftenreihe des LStU Sachsen, Bd. 1)
  • Pergande, Frank: Vorbild waren die Geschwister Scholl. Neunzehn widerspenstige Schüler in der DDR, ein halber Tag Prozess, 130 Jahre Zuchthaus, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2001

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Goethestraße 2-4
  • Stadt: Werdau
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland