Stralsund, Deutschland
Gedenktafel für die politischen Opfer der Staatssicherheit
Im Gebäude Frankendamm 5 hatte die Kreisdienststelle Stralsund des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ihren Sitz. Sie gehörte zu den insgesamt zehn Kreisdienststellen der Bezirksverwaltung Rostock, in denen im Juni 1989 insgesamt 505 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt waren. Im Sommer 1989 arbeiteten für die Kreisdienststelle Stralsund fast 600 Inoffizielle Mitarbeiter (IM). Sie zählte neben Wismar, Rostock und Greifswald zu den größten Kreisdienststellen im Bezirk Rostock. Bei der Beobachtung und Unterdrückung oppositioneller Kräfte sowie anderer „feindlich negativer Elemente“ spielte sie eine wichtige Rolle. Hafen, Werft, Seewirtschaft, Transitverkehr und Oppositionsbewegung bildeten lokale Schwerpunkte der geheimpolizeilichen Tätigkeit.
In der ersten Hälfte der 1980er Jahre bildete sich auch in Stralsund ein kirchlicher Friedenskreis und damit ein Zentrum der lokalen Opposition. Als im Oktober 1987 in Stralsund der Olof-Palme-Friedensmarsch begann, gelang es der unabhängigen Friedensbewegung, öffentlich auf Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen. Die Forderungen nach mehr Demokratie im Herbst 1989 fanden auch in Stralsund starken Widerhall. Seit dem 18. September fanden regelmäßig Fürbittgottesdienste statt, die von immer mehr Menschen besucht wurden. Am 5. November 1989 kamen 10 000 Einwohner Stralsunds auf dem Olof-Palme-Platz zu einer Dialog-Veranstaltung zusammen. Es folgte die Bildung der Gruppe „Stralsunder 20“, die den lokalen Demokratisierungsprozess wesentlich mitbestimmte. Am 4. Dezember endete auch in Stralsund die Tätigkeit der Staatssicherheit. Die landesweiten Aktenvernichtung alarmierten die Bürger, die sodann die Kreisdienststelle besetzten sowie Räume und Panzerschränke versiegeln ließen.
Mitte der 1990er Jahre fanden sich Opfer der SED-Herrschaft zur Landesgruppe Stralsund innerhalb der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. (VOS) zusammen. Sie initiierten am Gebäude der ehemaligen Kreisdienststelle des MfS eine Gedenktafel, die am 3. Oktober 1996 der Öffentlichkeit übergeben wurde.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(am Gebäude der ehemaligen Kreisdienststelle des MfS)
Zum Gedenken / der politischen Opfer, / die das Machtinstrument / Staatssicherheit / mit sozialistischem Terror / und SED-Gewalt verfolgte, / in Gefängnisse einsperrte / und dem Tode auslieferte. / In diesem Gebäude / residierte / die Staatssicherheit. / VOS 3. Okt.1996
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
3. Oktober 1996 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die politischen Opfer der Staatssicherheit
Literatur
- Langer, Kai: „Ihr sollt wissen, daß der Norden nicht schläft ...“. Zur Geschichte der „Wende“ in den drei Nordbezirken der DDR, Bremen: Ed. Temmen, 1999
- Ammer, Thomas/Memmler, Hans-Joachim (Hrsg.): Staatssicherheit in Rostock. Zielgruppen, Methoden, Auflösung, Köln 1991 (= Edition Deutschland Archiv)
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Frankendamm 5
- Stadt: Stralsund
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland
