Löbau, Deutschland

Gedenktafel für die politisch verfolgten Löbauer Oberschüler

 
Nach der Gründung der DDR formierte sich an der Löbauer Oberschule, dem heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasium, eine elfköpfige Widerstandsgruppe. Ihr Ziel war es, sich für demokratische Verhältnisse, freie Wahlen, Meinungsfreiheit, unabhängige Jugendorganisationen und gegen das totalitäre System einzusetzen. Im Geheimen fertigten die Schüler im Herbst 1950 Flugblätter an, um zum Boykott der Wahl aufzurufen und verteilten sie in der Stadt. Schnell wurde die Staatssicherheit auf die Gruppe aufmerksam. Dank der Warnung eines Mitarbeiters des MfS konnte ein Teil der Jugendlichen noch mit einem Nachtzug nach Berlin flüchten. Andere, darunter der Kopf der Gruppe Gerhard Bartsch, wurden drei Tage später verhaftet und zu Freiheitsstrafen in Bautzen verurteilt. Die Idee, in der Schule eine Gedenktafel für die mutigen Jugendlichen anzubringen, kam von der ehemaligen Schülerin, Eva Berger. Sie begann den Fall der Löbauer Widerstandsgruppe zu recherchieren und machte nach und nach ehemalige Mitglieder ausfindig. Dank der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und des Landratsamtes konnte die Tafel realisiert und am 20. Juni 2006 unter Anwesenheit einiger ehemaliger Mitglieder der Gruppe feierlich enthüllt werden. Zugegen war auch Gerhard Bartsch, der nach seiner Verurteilung sechs Jahre Haft in Bautzen verbüßen musste und erst 1998 rehabilitiert wurde.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Geschwister-Scholl-Gymnasium)
Zum Gedenken an die Schüler dieser Schule, / die 1951 von der SED-Justiz bzw. / sowjetischen Militärtribunalen / zu langjährigen Freiheitsstrafen / verurteilt wurden. / In Flugblättern waren sie 1950 für freie / demokratische Wahlen und für / rechtsstaatliche Verhältnisse eingetreten.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

20. Juni 2006 - Einweihung
Enthüllung der Gedenktafel zur Erinnerung an die politisch verfolgten Löbauer Oberschüler

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016