Lübben, Deutschland

Gedenktafel für die Opfer stalinistisch-kommunistischer Gewaltherrschaft

 
In der Paul-Gerhardt-Straße 2 befindet sich das heute wieder von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg genutzte und nach dem für die Gemeinde Lübben bedeutsamen Pfarrer Richard Raabe (1880–1968) benannte Haus. Es wurde 1908 von den Ständen des Markgrafentums Niederlausitz als Vicegeneralsuperintendentur erbaut und diente den Inhabern dieses Amtes als Dienstwohnung. 1941 musste die Kirche unter dem Druck der Nationalsozialisten das Gebäude abtreten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges stand es dem Reichsarbeitsdienst zur Verfügung. 1945 beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht das Haus und es wurde Dienststelle der sowjetischen Geheimpolizei NKWD. In dem zu dieser Zeit zum Zellentrakt ausgebauten Keller wurden Jugendliche, Frauen und Männer bis zum Weitertransport in eines der sowjetischen Speziallager inhaftiert. Wie an vielen anderen Orten ging die Besatzungsmacht unter dem Deckmantel der Entnazifizierung mit großer Willkür auch gegen Unschuldige und gegen Gegner der politischen Verhältnisse in der SBZ vor. Die Gefängnisse des NKWD waren für viele Verhaftete die erste Station auf ihrem Leidensweg durch die sowjetischen Speziallager. Nachdem im April 1950 die Dienststelle des NKWD nach Luckau verlegt worden war, befand sich kurzzeitig die SED-Kreisleitung in dem Haus. Anschließend wurde es bis zum Ende der DDR 1989 vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Kreisdienststelle genutzt. Es erweiterte das Gebäude um zwei Häuser und stattete es mit enormer Sicherheitstechnik aus. 1993 erhielt die Kirche das Gebäude zurück. Im Zusammenwirken mit der Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz e. V. wurde am 5. April 1998 eine Gedenktafel am Haus angebracht.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Richard-Raabe-Haus)
In diesem Hause wurden Opfer / stalinistisch-kommunistischer / Gewaltherrschaft / 1945–1989 / gedemütigt und gefoltert. / ‚Ich weiss, dass mein Erlöser lebt.‘ / Hiob 19, 25
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

5. April 1998 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die Opfer stalinistisch-kommunistischer Gewaltherrschaft

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016