Nordheim (Grabfeld), Deutschland

Gedenktafel für die Opfer der Zwangsaussiedlung

 
Am frühen Morgen des 5. Juni 1952 erfuhren 59 Bewohner des Dorfes Nordheim, dass sie als „politisch nicht tragbare“ Personen im Grenzgebiet nicht mehr geduldet waren. 1961 ereilte dieses Schicksal erneut neun Bürger. Ohne Angabe von Gründen sollten sie sich um 4 Uhr morgens im städtischen Gemeindeamt einfinden, wo sie von ihrer Ausweisung in Kenntnis gesetzt wurden. Ohne das Ziel zu kennen, wurden sie gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Abtransportiert in Lastkraftwagen, wurden sie vom Bahnhof Grimmenthal mit Zügen nach Nordthüringen verbracht. Die „politische Säuberung“ an der Demarkationslinie zwischen Thüringen und Bayern war Anfang der 1950er-Jahre beschlossen worden. Die SED-Führung reagierte damit auf den von Konrad Adenauer unterzeichneten Generalvertrag vom 26. Mai 1952, der den Besatzungsstatus der Bundesrepublik aufhob. Die DDR-Regierung verabschiedete die „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen DDR und der westlichen Besatzungszone“, die eine verschärfte Abriegelung des Grenzstreifens zur Folge hatte. Telefonleitungen wurden unterbrochen, der kleine Grenzverkehr aufgehoben und entlang der Grenze ein fünf Kilometer breiter Sperrgürtel eingerichtet. Die Deutsche Volkspolizei begann daraufhin, unter dem Geheimbefehl 39/52 die größte Zwangsaussiedlung der deutschen Nachkriegsgeschichte durchzuführen. Am 9. November 2012 wurde am Nordheimer Rathaus eine Gedenktafel für die Betroffenen der Zwangsaussiedlungen enthüllt. Die Initiative dazu stammte vom acht Jahre zuvor gegründeten Nordheimer Heimatverein.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Rathaus)
Zur Erinnerung an / 68 Mitbürger, / die 1952 / und 1961 / aus Nordheim / zwangsausgesiedelt wurden. // ‚Ohne Heimat sein heißt leiden.‘ / F. M. Dostojewski
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

9. November 2012 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die Opfer der Zwangsaussiedlung
1961 - Historie
Zwangsaussiedlung von 9 Bewohnern des Dorfes Nordheim
5. Juni 1952 - Historie
Zwangsaussiedlung von 59 Bewohnern des Dorfes Nordheim

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Rathaus, Hauptstraße 26
  • Stadt: Nordheim (Grabfeld)
  • Gebiet: Thüringen
  • Land: Deutschland