Potsdam, Deutschland

Gedenktafel für Charlotte und Erwin Köhler

 
Erwin Köhler war Kreisvorsitzender der CDU sowie Mitglied der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung und ab 1946 Bürgermeister der Stadt. Die brandenburgische CDU sah sich nach ihrer Gründung 1945 wiederholt Kampagnen der SED ausgesetzt, die darauf abzielten, ihre politische Eigenständigkeit zu zerstören und dem Eintreten der CDU für Demokratie entgegenzuwirken. So wurden unter dem Druck der SED CDU-Mitglieder aus der Partei ausgeschlossen bzw. mussten ihre Mandate niederlegen. Auch innerhalb der Union kam es zwischen prokommunistischen Vertretern und Demokraten zum Streit über den Kurs der Partei. Die sowjetische Militäradministration (SMAD) erzwang im Sommer 1949 die Ablösung Erwin Köhlers vom Vorsitz des CDU-Kreisverbandes Potsdam durch einen ihrer Agenten. Im Potsdamer Stadtparlament hatten zu diesem Zeitpunkt noch die CDU und die Liberaldemokraten eine Mehrheit, die jedoch der sowjetischen Besatzungsmacht und der SED ein Dorn im Auge war. Mit Demonstrationen und Randalen in der Stadtverordnetenversammlung versuchten SED und FDJ, Stadträte abzusetzen und die Macht der SED im Parlament auszubauen. Im März 1950 musste Köhler auch sein Amt als Bürgermeister abgeben. Wenig später wurde er schließlich zusammen mit seiner Frau – einer Mitbegründerin der CDU Potsdam – verhaftet. Neben Köhler wurden weitere Funktionäre der CDU inhaftiert. Die CDU-Stadtverordnetenfraktion in Potsdam stellte daraufhin ihre Arbeit ein und die CDU-Fraktion im Landtag folgte ihrem Beispiel. Das Ehepaar Köhler wurde unter Folter gezwungen, „Spionage“, „konterrevolutionäre Agitation und Propaganda“ zu gestehen. Sie wurden daraufhin am 2. Dezember 1950 zum Tode verurteilt und wenige Monate später in Moskau hingerichtet. Erst 1959 erfuhr der Sohn vom Tod seiner Eltern. Am 20. Mai 1992 wurden Charlotte und Erwin Köhler durch die russische Militärstaatsanwaltschaft rehabilitiert. Zur Erinnerung an das Ehepaar wurde am 26. September 2002 im Foyer des Potsdamer Rathauses eine Gedenktafel eingeweiht. Am 10. Dezember 2009 wurde der Potsdamer Zimmerplatz in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Jann Jakobs, des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Potsdam, Peter Schüler, und von Vertretern der Opferverbände feierlich in „Köhlerplatz“ umbenannt.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(im Foyer des Potsdamer Rathauses)
Erwin Köhler / * 1901 Berlin † 1951 Moskau / Charlotte Köhler / * 1907 Chemnitz † 1951 Moskau // Erwin Köhler war von 1946 bis 1950 Bürgermeister der Stadt Potsdam. // Als Mitbegründer der CDU in Potsdam leistete er 1950 Widerstand gegen die / Vereinnahmung seiner Partei in die von der SED geschaffene ,Nationale Front‘. / Er wurde gemeinsam mit seiner Frau verhaftet und nach einem Prozess wegen / ,Spionage und Konterrevolutionärer Agitation und Propaganda‘ in Potsdam zum / Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. // 1992 erfolgte die Rehabilitierung des Ehepaares / durch die russische Staatsanwaltschaft.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

10. Dezember 2009 - Einweihung
Umbenennung des Potsdamer Zimmerplatz in "Köhlerplatz"
26. September 2002 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Charlotte und Erwin Köhler im Potsdamer Rathaus

Literatur

  • „Erschossen in Moskau …“. Totenbuch für die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Friedhof Donskoje 1950–1953. Hrsg. von Facts & Files (Berlin), Memorial (Moskau) und der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin), Berlin 2005
  • Fricke, Karl Wilhelm/Steinbach, Peter/Tuchel, Johannes (Hrsg.): Opposition und Widerstand in der DDR. Politische Lebensbilder, München 2002

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016