Wurzen, Deutschland

Gedenktafel für Armin Graebert

 
Der in Berlin geborene Armin Graebert (1898–1947) studierte und promovierte nach dem Ersten Weltkrieg in Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Er war von 1928 bis 1935 zweiter Bürgermeister in Anklam, wurde 1935 Mitglied der NSDAP und war bis 1937 zweiter Bürgermeister in Glogau. Anschließend fungierte er als Stadtkämmerer von Weimar. Von Juli 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war er Oberbürgermeister von Wurzen. Als er die Sinnlosigkeit weiterer Kampfhandlungen erkannte, ließ Armin Graebert weiße Fahnen hissen. Mit Mitgliedern der SPD und der KPD und den Pfarrern der evangelischen und katholischen Kirchen der Stadt besprach er, wie Wurzen vor der Zerstörung und die Bewohner gerettet werden könnten. Am 18. und 19. April 1945 ließ Graebert den Amerikanern ein Kapitulationsangebot überbringen und entließ den Volkssturm. So konnte am 24. April die kampflose Kapitulation von Wurzen vollzogen werden. Dabei riskierte Graebert nicht nur seinen Posten, sondernauch sein Lebenwegen „Wehrkraftzersetzung“. Denn auch in Sachsen arbeiteten noch in den letzten Apriltagen mehrere Standgerichte. Wurzen gehörte damit zu den wenigen Städten dieser Größe, die das Ende des Krieges ohne gravierende Zerstörungen erlebten. Tausende Einwohner, Verwundete, Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Zwangsarbeiter überlebten. Von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD wurde der Oberbürgermeister am 18. Mai 1945 verhaftet. Er wurde zunächst in das sowjetische Speziallager Nr. 4 Bautzen und anschließend am 24. September 1946 in das Speziallager Jamlitz gebracht, wo er am 5. Februar 1947 starb. Sein ältester Sohn wurde ebenfalls verhaftet und unter „Werwolf“-Verdacht vom 5. November 1945 bis zum 10. Juli 1948 im Speziallager Nr. 1 Mühlberg interniert. Am Eingang des Stadthauses Wurzen, dem Sitz der Stadtverwaltung, erinnert eine Gedenktafel an Dr. Armin Graebert. Sie wurde am 24. April 1995 auf Initiative des Oberbürgermeisters Anton Pausch und des Wurzener Geschichts- und Altertumsvereins enthüllt.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Eingang des Stadthauses Wurzen)
In diesem Hause / vollzog am 24. April 1945 / Oberbürgermeister Dr. Armin Graebert / gegenüber dem Kommandeur des 1. Bat. 273. US-Inf.-Reg. / Major Victor Conley, die Kapitulation Wurzens. / Damit wurden Einwohner, Flüchtlinge, Kriegsverwundete / und Zwangsarbeiter vor dem Tode / sowie die Stadt vor der Zerstörung bewahrt. / Vor 50 Jahren 24. April 1995
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

24. April 1995 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Armin Graebert

Literatur

  • Weigelt, Andreas: Umschulungslager existieren nicht. Zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz 1945–1947, Berlin 2001

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016