Rothenburg, Deutschland

Gedenktafel für Alfred Wagenknecht

 
Arbeiter der Bauunion Süd-Bremenhain organisierten am 18. Juni 1953 eine Demonstration vor der Kommandantur der Grenzpolizei; Rothenburg liegt direkt an der Grenze zu Polen. Sie forderten die Freilassung von drei Gefangenen und stürmten schließlich das Gebäude. Der Rat des Bezirkes identifizierte den Fuhrunternehmer Alfred Wagenknecht als „Rädelsführer“ u.a. deshalb, weil dieser am 17. Juni auf seinem LKW einen befreiten Untersuchungshäftling aus Görlitz mitgenommen haben soll. Am 19. Juni wurde Wagenknecht verhaftet und in das Gefängnis nach Niesky gebracht, wo er nach Angaben der Polizei zwei Tage später in seiner Zelle erhängt aufgefunden worden sei. Wagenknechts Ehefrau ließ daraufhin den Sarg von einem Arzt öffnen. Dieser konnte jedoch keine Strangulierungsmerkmale an der Leiche finden, dafür aber Verbrennungen sowie innere Verletzungen und Wunden am Kopf. Zur Beerdigung wenige Tage später versuchten die Einwohner Rothenburgs eine Demonstration durchzuführen, weil sie die Geschichte vom Selbstmord Wagenknechts für eine Lüge hielten. Sicherheitskräfte verhinderten zwar die Demonstration, aber nicht das zehnminütige Läuten der Kirchenglocken während der Überführung der Leiche. Seit dem 17. Juni 2000 erinnert in der Nähe des Geburtshauses von Alfred Wagenknecht ein Gedenkstein mit einer Tafel an das Schicksal des Mannes. Im Jahre 2001 wurde hier eine weitere Tafel mit ausführlicheren Informationen über den Volksaufstand eingeweiht.

Inschriften

Inschrift auf der im Jahr 2001 errichteten Gedenktafel
Alfred Wagenknecht (1904–1953) // Alfred Wagenknecht war ein angesehener / selbständiger Fuhrunternehmer aus Rothenburg. / Er wurde am 19. Juni 1953 als angeblicher / „Rädelsführer“ im Zusammenhang mit den / Ereignissen des 17. Juni 1953 in Rothenburg / inhaftiert. Nach zwei Tagen Gefängnisaufenthalt / in Niesky war Alfred Wagenknecht tot. Er war / während seiner Haft schweren körperlichen Misshandlungen ausgesetzt. // Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 / Der Juniaufstand begann mit Protesten / Ostberliner Bauarbeiter gegen eine generelle / Erhöhung der Arbeitsnormen durch die / SED-Führung. Die Normerhöhung war durch die / Einheitsgewerkschaft gebilligt worden. Diese / Proteste weiteten sich im Laufe des 17. Juni / schnell zu einer allgemeinen Aufstandbewegung / aus. Neben der Herabsetzung der Arbeitsnormen / forderten die Demonstranten insbesondere den / Rücktritt der Regierung sowie die Abhaltung / freier demokratischer Wahlen. Der Aufstand / wurde im Verlauf des 17. Juni durch das / stalinistische SED-Regime mit Hilfe / sowjetischer Truppen niedergeschlagen. / Bilanz: 1386 zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilte / 21 vollstreckte Todesurteile. / (Text nach Brockhaus-Enzyklopädie 19. Auflage)
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift auf der im Jahr 2000 errichteten Gedenktafel
Gerechtigkeit wird nur dort / herrschen, wo sich die vom / Unrecht nicht Betroffenen / genauso entrüsten wie die / Beleidigten. / (Platon) // Dieser Stein ist / Alfred Wagenknecht / gewidmet, / stellvertretend für alle Opfer / von Gewaltherrschaft.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

2001 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel zur Erinnerung an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953
17. Juni 2000 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins mit der Gedenktafel für Alfred Wagenknecht

Literatur

  • Roth, Heidi: Der 17. Juni 1953 in Sachsen, Köln 1999
  • Roth, Heidi: Der 17. Juni 1953 in Görlitz. Dokumentation zum Volksaufstand, Bautzen 2003
  • Ahrberg, Edda/Hertle, Hans-Hermann/Hollitzer, Tobias/Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hrsg.): Die Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, Münster 2004

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Schmiedegasse
  • Stadt: Rothenburg
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland