Berlin, Deutschland
Gedenktafel an der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit
Das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Gerichtsgefängnis an der Magdalenenstraße diente der sowjetischen Geheimpolizei NKWD zwischen 1945 und 1953 als Untersuchungsgefängnis und Gerichtsort. Potentielle NS-Verbrecher und als „feindliche Elemente“ verhaftete Personen wurden dort von einem der berüchtigten Sowjetischen Militärtribunale (SMT) verurteilt. In den 1950er Jahren wurde der Gebäudekomplex an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) übergeben, das dort seine Untersuchungshaftanstalt II einrichtete. Von den Häftlingen wurde das Gefängnis auch „Magdalena“ genannt.
Im Westflügel war die Gefängnisverwaltung und im Ostflügel die Untersuchungsabteilung des MfS untergebracht. Im Südflügel befanden sich die Häftlingszellen. Hierher wurden auch Gefangene des zentralen Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen zu Besuchs- und Anwaltsterminen transportiert. Nicht selten war die Untersuchungshaftanstalt II Durchgangsstation kurz nach der Festnahme oder für wenige Wochen bzw. Tage vor der Haftentlassung. Ende der 1980er Jahre richtete das MfS hier einen „zentralen Zuführungspunkt“ für größere Verhaftungsaktionen ein. Nach einem Umbau wurde das Gebäude 1998 als Justizvollzugsanstalt (JVA) des Landes Berlin für den geschlossenen Strafvollzug von Frauen wiedereröffnet.
Auf Anregung des Arbeitskreises ehemaliger politischer Häftlinge in der SPD wurden von der Justizverwaltung Berlin an dem Gebäude zwei Gedenktafeln angebracht, die bei seiner Inbetriebnahme als JVA durch den Senator für Justiz sowie Vertreter der Opferverbände HELP e.V., ASTAK e.V., des Arbeitskreises ehemaliger politischer Häftlinge in der SPD und des Bundes der stalinistisch Verfolgten e.V. (BSV) enthüllt wurden.
Inschriften
Inschrift der oberen Gedenktafel
(am Gebäude der JVA des Landes Berlin für den geschlossenen Strafvollzug von Frauen)
Zum Gedenken / an die Opfer / kommunistischer Gewaltherrschaft, / die zwischen 1945 und 1989 / in diesem Gefängnis / gelitten haben
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der unteren Gedenktafel
(am Gebäude der JVA des Landes Berlin für den geschlossenen Strafvollzug von Frauen)
Ab 1906 wurde dieses Gebäude als Gefängnis des / Amtsgerichtes Lichtenberg, ab Anfang der zwanziger / Jahre für Frauen und Jugendliche genutzt. Nach dem 2. / Weltkrieg wurde es vom sowjetischen Geheimdienst / übernommen, der hier bis Anfang der fünfziger Jahre / eine Untersuchungshaftanstalt unterhielt und auch / Hinrichtungen durchführen ließ. Bis Anfang 1990 / befand sich hier eine Untersuchungshaftanstalt des / Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) der DDR, die im / Februar 1990 dem Ministerium des Innern der DDR / unterstellt und nach der Herstellung der deutschen / Einheit im Oktober 1990 geschlossen wurde. Seit 1998 / wird dieses Gebäude als Justizvollzugsanstalt genutzt
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Ehemalige Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Broschüre des LStU, zusammengestellt von Johannes Beleites, Berlin 2000
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Alfredstraße 11, Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen (neben dem Eingang)
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Lichtenberg
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland


