Berlin, Deutschland
Gedenktafel an der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit
Im Jahre 1907 wurde in der Pankower Kissingenstraße ein Amtsgerichtsgefängnis errichtet. Ab 1933 befand sich dort ein Heim der Pankower Sturmabteilung (SA) der NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) das Gebäude. Im Zuge der Übergabe sowjetischer Einrichtungen an deutsche Behörden übernahm es 1947 die deutsche Justiz. Ab Anfang der 1950er Jahre betrieb die Abteilung XIV der Verwaltung Groß-Berlin bzw. der späteren Bezirksverwaltung (BV) Berlin des MfS dort eine eigene Untersuchungshaftanstalt. Im angrenzenden Gerichtsgebäude befand sich das Stadtbezirksgericht Berlin Pankow. Die Pankower MfS-Untersuchungshaftanstalt war für etwa 120 Gefangene konzipiert und verfügte über 58 Zellen. Im Gefängnisgebäude hatte die Untersuchungsabteilung IX der Bezirksverwaltung Berlin zahlreiche Vernehmungszimmer. Gleichzeitig betrieb die Abteilung einen „ständig besetzten Stützpunkt“ im Berliner Polizeipräsidium in der Keibelstraße nördlich des Alexanderplatzes, wo sich eine Untersuchungshaftanstalt der Polizei befand, die auch vom MfS genutzt wurde. Das Gefängnis ist seit 1998 nach gründlichem Umbau Justizvollzugsanstalt des Landes Berlin (JVA) für die Untersuchungshaft von Frauen.
Auf Anregung des Arbeitskreises ehemaliger politischer Häftlinge in der SPD wurden nach den Sanierungsarbeiten an der Anstalt von der Justizverwaltung Berlin zwei Tafeln zum Gedenken und zur Erinnerung angebracht. Die feierliche Enthüllung erfolgte bei Inbetriebnahme der JVA 1998 durch den Senator für Justiz und Vertreter der Opferverbände Help e. V., ASTAK e.V., des Arbeitskreises ehemaliger politischer Häftlinge in der SPD und des Bundes der stalinistisch Verfolgten e. V.
Inschriften
Inschrift der unteren Gedenktafel
(an der Anstalt von der Justizverwaltung Berlin)
Dieses Gebäude wurde von 1907 bis 1928 / als Gefängnis des Amtsgerichtes Pankow / genutzt. Von 1933 bis 1945 war es eine / Unterkunft der SA der NSDAP. Nach dem / 2. Weltkrieg wurde es von der sowjetischen / Militäradministration übernommen, / die es 1947 der deutschen Justiz zurückgab. / Vom Beginn der fünfziger Jahre bis / Anfang 1990 befand sich hier eine Unter- / suchungshaftanstalt des Ministeriums / für Staatssicherheit (Stasi) der DDR, / die im Februar dem Ministerium des / Innern der DDR unterstellt und nach / der Herstellung der deutschen Einheit im / Oktober 1990 geschlossen wurde. / Seit 1998 wird dieses Gebäude als / Justizvollzugsanstalt genutzt
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der oberen Gedenktafel
(an der Anstalt von der Justizverwaltung Berlin)
Zum Gedenken / an die Opfer / kommunistischer Gewaltherrschaft, / die zwischen 1945 und 1989 / in diesem Gefängnis / gelitten haben
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Ehemalige Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Broschüre des LStU, zusammengestellt von Johannes Beleites, Berlin 2000
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Arkonastraße 56, Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen (neben dem Eingang)
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Pankow
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland


