Meiningen, Deutschland
Gedenkstele zur Erinnerung an die Friedliche Revolution
Seit dem 24. Oktober 2009 befindet sich an der Nordseite der Stadtkirche eine aus Kalkstein gefertigte Gedenkstele sowie am Eingangsportal eine in den Gehsteig eingelassene eiserne Bodenplatte. Beide erinnern an die Ereignisse der Friedlichen Revolution im Herbst 1989. Die Initiative zur Errichtung der Gedenkzeichen geht auf den Vorbereitungskreis „20 Jahre Friedliche Revolution in Meiningen“ zurück. Finanziert wurde das Projekt aus Spendenmitteln.
Aufgrund ihrer grenznahen Lage zur Bundesrepublik sowie des höheren Anteils von Kirchenmitgliedern in der Bevölkerung war die Kreisstadt von intensiven Sicherheitsmaßnahmen des SED-Regimes geprägt. Eigens für die Befassung mit „Kirchenfragen“ – darunter auch die Zersetzung des Meininger Gesprächskreises für Frieden und Ökologie (Montagskreis) – stellte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) des Bezirkes Suhl ab den 1970er Jahren mehrere Mitarbeiter ab.
So war es nicht verwunderlich, dass im Herbst 1989 kirchlich geprägte Akteure maßgeblich an der Organisation von Protestveranstaltungen und Zusammenkünften in der Stadt beteiligt waren. Eine große Resonanz entwickelten dabei die Friedensgebete, die bereits seit 1982 in der evangelischen Stadtkirche stattfanden und ab Oktober 1989 wöchentlich abgehalten wurden. Es etablierte sich ein fester Liturgieablauf: Nach einem Orgelspiel sowie einem Gebet mit anschließender Andacht hatten Anwesende die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden und von ihren Sorgen und Ängsten zu berichten. Waren jenseits eines Vorbereitungskreises zunächst nur wenige Interessierte an den Gottesdiensten beteiligt –, dazu zählten insbesondere Personen mit negativ beschiedenen Ausreiseanträgen – so nahmen die Besucherzahlen der Friedensgebete ab Mitte Oktober so stark zu, dass die Plätze in der Stadtkirche nicht mehr ausreichten.
Neben den Gottesdiensten sowie den später folgenden Demonstrationen stellte auch das Theater einen Raum für eine kritische Gegenöffentlichkeit dar. So verlas der Liedermacher Kurt Demmler bei seinem Auftritt am 3. Oktober im Meininger Kulturhaus unangekündigt den Aufruf des Neuen Forum und schrieb in das Gästebuch: „So gut so Wut – der Dialog hat begonnen! Gute Macht Freunde!“ Am 24. Oktober 1989 formierte sich im Anschluss an das Friedensgebet in der überfüllten Stadtkirche mit etwa 1000 Teilnehmern ein Protestzug mit Kerzen durch die Stadt. In der darauffolgenden Woche, am 31. Oktober, erschienen erneut weit mehr Menschen, als in der Kirche Platz hätten finden konnten. Das Friedensgebet musste per Lautsprecher auf den Marktplatz übertragen werden. Schätzungsweise 3000 bis 4000 Meininger hatten sich an diesem Abend zusammengefunden und stellten vor der SED-Kreisleitung und der MfS-Zentrale brennende Kerzen ab. Seinen Höhepunkt fand das Protestgeschehen am 7. November, als sich zum erneuten Friedensgebet mit anschließender Demonstration etwa 25 000 Menschen versammelten.
Inschriften
Inschrift der Stele
(an der Stadtkirche)
ERSTE DEMO / IN MEINIGEN // 24.10.1989 // DAS LICHT KAM / AUS DER KIRCHE / FRIEDLICHE REVOLUTION // Gegen das Vergessen // 1982 Beginn der Friedensgebete / in der Meininger Stadtkirche / 7.11.1989 Friedensgebet und Demo / mit 25.000 Teilnehmern / 9.11.1989 Fall der Mauer
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Bodenplatte
(am Eingangsportal der Stadtkirche)
Das Licht kam aus der Kirche // 1989
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
Oktober 2009 - Einweihung
Einweihung der Gedenkstele zur Erinnerung an die Friedliche Revolution
Literatur
- Strohbusch, Horst: das Licht kam aus der Kirche. Die Wende in Meiningen 1989-1990, Meiningen: Börner, 1999
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: an der Stadtkirche, Marktplatz
- Stadt: Meiningen
- Gebiet: Thüringen
- Land: Deutschland

