Limbach-Oberfrohna, Deutschland
Gedenkstele zur Erinnerung an die Friedliche Revolution und Deutsche Einheit
Anlässlich des 20. Jahrestags der Gründung des Neuen Forums erklärte der Stadtrat der sächsischen Gemeinde den 1. November – in Erinnerung an den Beginn der öffentlichen Proteste im Herbst 1989 – zum Gedenktag an die Friedliche Revolution. Im Rathaushof, dem historischen Ort mehrerer Kundgebungen, entstand zusätzlich eine Gedenkstele mit Losungen des Umbruchs- und Revolutionsjahres.
Im Frühherbst 1989 spitze sich die allgemeine Krisenstimmung in der DDR zu. Der Unmut in der Bevölkerung über die verkrusteten Zustände im Land und die Reformunwilligkeit der SED-Führung verdichteten sich: Tausende ostdeutsche Bürger versuchten über die bundesdeutschen Botschaften in Warschau, Prag und Budapest ihre Ausreise in den Westen zu erwirken; es formierten sich immer mehr oppositionelle Bewegungen wie das Neue Forum, Demokratischer Aufbruch und Demokratie Jetzt; zehntausende Menschen im ganzen Land kamen zu Friedensandachten, Fürbittgottesdiensten und zunehmend regierungskritischen Demonstrationen zusammen. In Limbach-Oberfrohna kam es am 25. Oktober zu einer spontanen Protestkundgebung als nach dem Friedensgebet mehrere Hundert Personen durch die Innenstadt zogen und an den Rathausfenstern brennende Kerzen platzierten. Nur wenige Tage später gründete sich in der Wohnung des Tischlermeisters Konrad Uhlig am 1. November ein lokaler Zusammenschluss der Bürgerinitiative Neues Forum. Noch am selben Abend versammelten sich an der Lutherkirche etwa 8.000 Menschen. Der Andrang war so groß, dass das Friedensgebet mit Mikrofonen und Lautsprechern nach draußen übertragen werden musste. Mit Kerzen, Plakaten und Transparenten zogen die Menschen anschließend über die Straße des Friedens und die Jägerstraße zum bis hin zum Rathaus. Bei strömendem Regen fand im Innenhof eine Kundgebung mit Vertretern der Bürgerinitiative Limbach-Oberfrohna, des Neuen Forum sowie der Repräsentanten der Stadtverwaltung und dem 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Thomas Dathe. Aus der versammelten Menge erschallten immer wieder Pfiffe gegen die Funktionäre begleitet vor der Forderung nach Rücktritt des Bürgermeisters.
Eine Woche später – das Neue Forum war gerade offiziell als politische Vereinigung zugelassen worden – fanden am 8. November etwa 16.000 bis 20.000 Menschen zunächst zum Friedensgebet sowie anschließend zu einem Demonstrationszug durch die Stadt zusammen. Fast ein halbes Dutzend Redner, darunter Repräsentanten des Neuen Forum sowie der SDP richteten sich mit Ansprachen an die versammelten Bürger. Am nächsten Tag verkündete in Berlin der Sekretär des Zentralkomitees der SED und Politbüromitglied, Günter Schabowski, zum Ende einer Pressekonferenz das Inkrafttreten einer neuen Reiseregelung für DDR-Bürger. An der Bornholmer Brücke öffnete sich der erste innerdeutsche Grenzübergang – die Mauer war gefallen.
Doch auch nach den welthistorischen Ereignissen des 9. November 1989 setzte sich das Protestgeschehen in Limbach-Oberfrohna mit zahlreichen Kundgebungen und Demonstration fort. So auch am 15. November, als nach dem Friedensgottesdienst in der Lutherkirche erneut etwa 15.000 Demonstranten mit Losungen nach Demokratie und freien Wahlen sowie der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten auf die Straße gingen. Wie in vielen anderen Städten, sollte die öffentliche Forderung nach deutscher Einheit auch in Limbach-Oberfrohna bei den nachfolgenden – bis zum Februar 1990 insgesamt 17 – Kundgebungen immer wieder erklingen.
Inschriften
Inschrift der Stele
(entlang des Säulenkörpers)
Wir sind ein Volk // Freiheit / jetzt // Einheit / jetzt // Meinungs- / freiheit // Neues / Forum / zulassen // Die Mauer / muß weg / Wir / bleiben hier // Reisefreiheit // Toleranz / keine Gewalt // Wir sind das Volk
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: im Rathaushof
- Stadt: Limbach-Oberfrohna
- Gebiet: Sachsen
- Land: Deutschland
