Herleshausen, Deutschland
Gedenkstein zur Erinnerung an die Grenzöffnung
Am sogenannten Pferdsdorfer Köpfchen – unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze – versammeln sich alljährlich am 20. November Anwohner der beiden Nachbargemeinden Herleshausen auf hessischer Seite und Krauthausen auf thüringischer Seite, um an die Überwindung der Teilung und die Wiedervereinigung zu erinnern.
Nachdem am 9. November 1989 in Berlin die Mauer gefallen war und die ersten Grenzübergänge geöffnet wurden, kamen am 20. November auch im Werratal Menschen mit Kerzen in den Händen zusammen. Zu beiden Seiten des Streckmetallzauns am Pferdsdorfer Köpfchen erklang die Forderung „Macht das Tor auf! Der Zaun muss weg!“ Während im Frühjahr 1963 drei Jugendlichen in diesem Streckenabschnitt des Grenzgebiets noch die Flucht in den Westen gelang, erwies sich der Minengürtel des Areals schon am 3. November 1963 für den 18-jährigen Bernd Icker zur tödlichen Falle. Gegen das gewaltsame Grenzregime und die Abriegelung des Landes demonstrierten die Anwohner der beiden Nachbargemeinden Krauthausen und Herleshausen in den Wintermonaten 1989 wiederholt. Immer wieder versammelten sie sich im Schein der mitgebrachten Kerzen am Pferdsdorfer Köpfchen, sangen das Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ und hielten gemeinsam – über den Grenzzaun hinweg – Gottesdienste ab. Bis schließlich am 23. Dezember 1989 die Grenze auch an dieser Stelle passierbar wurde.
Ebenfalls dort erinnert ein von dem Steinmetz Gerhard Buchenau geschaffener Gedenkstein an die erste Kerzendemonstration im November und die Öffnung des Streckmetallzauns im Dezember 1989. Bereits im Folgejahr fand an dieser Stelle das erste Erinnerungstreffen der Nachbarn aus dem Krauthausener Ortsteil Pferdsdorf und dem Herleshausener Ortsteil Willershausen statt. Den Beginn der Gedenkfeierlichkeiten bildet stets eine Andacht – im Turnus entweder vom Pfarrer der hessischen oder der thüringischen Gemeinde vorgetragen –, gefolgt vom „Dialog am Pferdsdorfer Köpfchen“. Von den Pastoren Ralf-Uwe Beck (Pferdsdorf) und Christian Trappe (Willershausen) um 1994 niedergeschrieben, wird der Text – ein Zwiegespräch zwischen Jung und Alt, das an die Demonstration und Grenzöffnung erinnert – im Wechsel seit 2005 jährlich verlesen. Auch das anschließende Beisammensein findet abwechselnd in den Dorfgemeinschaftshäusern der beiden Gemeinden statt.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
(an der Frontseite)
20. 11. 1989 / 23. 12. 1989 / zur / Erinnerung
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: am „Pferdsdorfer Köpchen“ zwischen Willershausen und Pferdsdorf
- Stadt: Herleshausen
- Gebiet: Hessen
- Land: Deutschland
