Töpen, Deutschland

Gedenkstein zur Erinnerung an die Friedliche Revolution

 
Zur Erinnerung an die friedliche Protestbewegung im Herbst 1989 in der ehemaligen DDR befindet sich in Mödlareuth seit dem 7. November 2019 ein Gedenkstein auf dem Privatgrundstück des Landwirtes und lokalen Museumsvereinsvorsitzenden Heiko Mergner. Die Privatinitiative – anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution –, einen Gedenkstein zu errichten und damit insbesondere den Beitrag der DDR-Bürger zur Überwindung der SED-Diktatur zu würdigen, ging von Dr. Gerhard Morgner aus. Der aus Chemnitz stammende Ingenieur setzte sich mit seinem Chemnitzer Mitstreiter Hartmut Weiße außerdem für eine Erweiterung des Gedenkortes ein. Seit 2022 ergänzt daher eine Informationstafel mit historischen Aufnahmen den aus Theumaer Schiefer bestehenden Gedenkstein. Der Errichtung des Gedenksteines waren Diskussionen um eine Standortfindung auf dem Gelände des nahe gelegenen Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth oder auf einer städtischen Freifläche vorausgegangen. Mödlareuth, von den Amerikanern wegen der durch das Dorf verlaufenden Grenze auch als „Little Berlin“ bezeichnet, wurde zu einem Symbol der deutschen Teilung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete der durch Mödlareuth verlaufende Fluss Tannbach die Demarkationslinie zwischen Mödlareuth-Ost in der sowjetischen und Mödlareuth-West in der amerikanischen Besatzungszone. Mit Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 gehörte der östliche Ortsteil zur DDR und der westliche zur Bundesrepublik. Als am 26. Mai 1952 die „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands“ in Kraft trat, waren keine Grenzüberquerungen mehr möglich. Die Errichtung eines übermannshohen Bretterzaunes im Juli 1952 leitete zuletzt die totale Abgrenzung der beiden Ortsteile ein. Über Jahrhunderte gewachsene ökonomische, soziale und familiäre Verbindungen wurden schlagartig unterbrochen. Wie in anderen Grenzorten kam es auch in Mödlareuth zwischen 1952 und 1961 zu Zwangsaussiedlungen, bei denen DDR-Bürger aus grenznahen Gebieten ins Hinterland verbracht und ihre Wohnhäuser zerstört wurden. Der kontinuierliche Ausbau der Grenzsperranlagen erreichte in Mödlareuth 1966, mit der Errichtung einer 700 Meter langen und 3,30 Meter hohen Betonsperrmauer, seinen Höhepunkt. Während der Westteil des Ortes in den Folgejahren zur Anlaufstelle für prominente Persönlichkeiten und zahlreiche Grenztouristen wurde, verblieb der Ostteil Mödlareuths im 500 Meter breiten „Schutzstreifen“, dem am stärksten überwachten Bereich der DDR-Grenzanlagen. Erst im Zuge der Ereignisse der Friedlichen Revolution und des Falls der Berliner Mauer wurde am 9. Dezember 1989 in Mödlareuth ein Grenzübergang geöffnet.

Inschriften

Inschrift des Gedenksteines
(Mödlareuth 20)
In Erinnerung an / zehntausende namenlose Helden / der Friedlichen Revolution. / Mit ihren wachsenden Protesten / in Städten und Gemeinden der DDR / haben sie unter Einsatz ihres Lebens / den SED-Staat zu Fall gebracht. // Als Wegbereiter der Überwindung der Teilung Deutschlands / haben sie den Machthabern der DDR // die Öffnung der Berliner Mauer / am 09. November 1989 // abgerungen. // Mödlareuth, am 09.11.2019 / Gestiftet von der Chemnitzer Familie / Dr. Morgner
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

7. November 2019 - Einweihung
Einweihung des Gedenkstein zur Erinnerung an die Friedliche Revolution

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Mödlareuth 20
  • Stadt: Töpen
  • Ortsteil: Mödlareuth
  • Gebiet: Bayern
  • Land: Deutschland