Berlin, Deutschland
Gedenkstein zur Deutschen Einheit und Gedenkstein für Roland Hoff
Mit dem Bau des Teltow-Kanals in den Jahren 1901 bis 1906 wurde die industrielle Entwicklung des Berliner Südens vorangebracht. Nach den zerstörungen des Zweiten Weltkrieges litt dieser Stadtteil besonders unter der Teilung der Stadt. Über 15 Kilometer bildete der insgesamt 38 Kilometer lange Kanal die innerstädtische und die Grenze zwischen West-Berlin und der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR. Seine Nutzung war seit der Berlin-Blockade 1948/49 nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Eine der davon betroffenen 193 Fernstraßen war der Teltower Damm, an dessen Ende seit August 1961 die östlichen Sperranlagen eine Überquerung des Kanals auf der Knesebeckbrücke verhinderten. Die für den Verkehr ins Berliner Umland wichtige Brücke wurde nach dem Fall der Berliner Mauer bereits am 23. Juni 1990, ein halbes Jahr vor der deutschen Einheit, wieder geöffnet. An dieses Ereignis erinnert ein kleiner Gedenkstein mit einer Inschrift am Ende des Teltower Damms.
Ein weiterer Gedenkstein an der Knesebeckbrücke erinnert an Roland Hoff, der 16 Tage nach dem Mauerbau, am 29. August 1961, bei dem Versuch, den Teltowkanal in Höhe der Wupperstraße zu durchschwimmen, von Grenzpolizisten erschossen wurde. Hoff war erst am 26. Juni in die DDR übergesiedelt, wollte aber schnell wieder in den Westen zurück. Beim Durchschwimmen des Teltow-Kanals wurde der 27-jährige Rohrleger von DDR-Grenzern unter Beschuss genommen und ertrank. Die Suche nach dem Ertrunkenen, zuerst von West-Berliner Seite aus unternommen, blieb zunächst ohne Erfolg. Die DDR-Grenzpolizisten konnten Hoff später am Tag bergen und übergaben den Leichnam der Staatssicherheit.
Da die Identität des Opfers auf West-Berliner Seite nicht bekannt war, wurde die Inschrift des Gedenksteins dem unbekannten Opfer gewidmet. Für Recherchen zu ihrem Buch „Opfer der Mauer“ konnten Werner Filmer und Heribert Schwan Einblick in Archive der früheren DDR-Grenztruppen nehmen. Dort fanden sie ein Protokoll, aus dem hervorgeht.
Inschriften
Inschrift des kleinen Gedenksteins
(am Ende des Teltower Damms)
Brücken / schmieden / Eintracht u. Frieden! / Teltow-Zehlendorf / 23.6.1990
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift des Gedenksteins für Roland Hoff
(an der Knesebeckbrücke)
Dem unbekannten / Opfer des Terrors / An dieser Stelle / wurde am 29.8.1961 / ein Deutscher er- / schossen, weil er / den Weg in die / Freiheit suchte
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Berlin Handbuch. Lexikon, Berlin 1994
- Filmer, Werner/Schwan, Heribert: Opfer der Mauer. Die geheimen Protokolle des Todes, München 1991
- Hübner, Holger: Das Gedächtnis der Stadt. Gedenktafeln in Berlin, Berlin 1997
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Unbekannt
- Standort: Teltower Damm (Knesebeckbrücke)
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Steglitz-Zehlendorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland


