Berlin, Deutschland
Gedenkstein für Paul Schwarz
Der Berliner Ingeneur und langjährige Steglitzer Bizirksverordnete Paul Schwarz (1877–1951), im Mai 1945 von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Bürgermeister von Steglitz eingesetzt, wurde am 30. Juli 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD verschleppt. Schwarz gehörte in der Weimarer Republik der Deutschen Volkspartei an und galt, da er während der NS-Diktatur weder der NSDAP noch einer ihrer Unterorganisationen beigetreten war, zunächst als politisch unbedenklich.
Als offizielles Verhaftungsdatum gilt der 23. Juli 1945. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Schwarz, bevor er in das sowjetische Speziallager Nr. 3 und anschließend nach Sachsenhausen gebracht wurde, in einem der NKWD-Untersuchungsgefängnisse (im Volksmund „GPU-Keller“) festgehalten und verhört wurde. Bei der Auflösung des Speziallagers Sachsenhausen Anfang 1950 gehörte er zu jenen Gefangenen, die zur Aburteilung und weiteren Strafverbüßung an die DDR-Justiz übergeben wurden.
Schwarz kam in das Zuchthaus Waldheim, wo er im Rahmen der „Waldheimer Prozesse“ am 20. Mai 1950 auf Grundlage des Befehls Nr. 201 der SMAD zu acht Jahren Haft verurteilt und als Verbrecher eingestuft wurde. Man warf ihm vor, als Bürgermeister von Berlin-Steglitz Befehle der Besatzungsmacht missachtet und durch „Verbreitung tendenziöser Gerüchte den Frieden des deutschen Volkes gefährdet“ zu haben. Wie bei allen anderen Verfahren im Rahmen der „Waldheimer Prozesse“ war auch bei der Verhandlung gegen Paul Schwarz kein Verteidiger zugelassen. Sein Antrag auf Revision des Urteils wurde am 20. Juni 1950 abgewiesen. In der Begründung des Oberlandesgerichts Dresden hieß es, dass die Zulassung eines Verteidigers im Ermessen des Gerichtes stünde und somit kein Grund für die Anfechtung des Urteils gegeben sei. Paul Schwarz starb am 4. Oktober 1951 im Zuchthaus Waldheim.
In der Nähe des Bäkeparks an der Uferpromenade des Teltowkanals, die seit dem 20. Februar 1952 Paul-Schwarz-Promenade heißt, erinnert in Höhe des Bäketeichs ein Gedenkstein mit einer Inschrift an Paul Schwarz.
Paul Schwartz wurde am 20. Februar 1952 ebenfalls vom Berliner Senats und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, im Rahmen einer Gedenkfeier im Rathaus Steglitz geehrt.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
(an der Uferpromenade des Teltowkanals in der Nähe des Bäkeparks, in Höhe des Bäketeichs)
Paul Schwarz / † 1951 / zum Gedächtnis / Ein / Leben / für die / Freiheit
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
20. Februar 1952 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für Paul Schwarz
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Teltowkanal (Uferpromenade am Bäketeich)
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Steglitz-Zehlendorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland

