Spreenhagen, Deutschland

Gedenkstein für die Toten der sowjetischen Speziallager aus Markgrafpieske

 
Im August 2004 wurde auf Initiative von Angela Kiefer-Hofmann auf dem Schulplatz, auf dem bereits Denkmale zur Erinnerung an die Opfer des Krieges 1870/71 sowie des Ersten und Zweiten Weltkriegs stehen, ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer der Speziallager aus Markgrafpieske errichtet. Die Biografien und Schicksale der insgesamt acht Einwohner des Ortes, die in verschiedenen sowjetischen Speziallagern ums Leben kamen, sind sehr unterschiedlich. Der 1908 geborene Otto Buchwalder arbeitete während des Zweiten Weltkrieges in einer Munitionsfabrik und beaufsichtigte dort sowjetische Zwangsarbeiterinnen. Er war kein Mitglied der NSDAP. Im Februar 1946 wurde Buchwalder als angeblicher Gestapo-Agent verhaftet und ins sowjetische Speziallager Ketschendorf gebracht. Von dort wurde er zwei Monate später ins sowjetische Speziallager Jamlitz verlegt, wo er im Januar 1947 verstarb. Karl Witte, geboren 1892, arbeitete in Markgrafpieske als Gutsverwalter und war Mitglied der NSDAP. Am 4. Juli 1945 wurde er von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD unter dem Vorwurf verhaftet, ein „Leiter“ der NSDAP gewesen zu sein und kam ins Speziallager Ketschendorf. Von dort kam er im Januar 1947 nach Jamlitz und im April nach Buchenwald, wo er im September 1947 an Lungen-Tbc starb. Werner Gnädig wurde 1928 geboren und am 25. Juni 1945 vom NKWD verhaftet und nach Ketschendorf verbracht, wo er am 1. Mai 1946 starb. Ebenfalls nur wenige Informationen gibt es über den 1890 geborenen Max Kunze, der am 16. Januar 1946 in Ketschendorf verstarb. Max Wilde, 1893 geboren, war von Beruf Schleusenwärter und Kassierer der NSDAP. Er wurde am 10. Oktober 1945 vom sowjetischen Militärgeheimdienst SMERSCH (deutsch: „Tod den Spionen“) als „Blockleiter“ verhaftet. Wilde starb am 12. März 1946 im sowjetischen Speziallager Ketschendorf. Fritz Stolzenburg war während der Zeit des Nationalsozialismus Kreisbauernführer und Ortsgruppenleiter sowie von 1935 bis 1945 Amtsbürgermeister von Markgrafpieske. Auch er wurde 1946 verhaftet und kam ohne Urteil in ein sowjetisches Speziallager. Sein Hof wurde enteignet. Stolzenburg verstarb 1948 in Sachsenhausen an Lungen-Tbc. Seit 1938 war der 1892 geborene Werner Meißner Pfarrer in Markgrafpieske. Am 7. Januar 1948 verschwand das CDU-Mitglied Meißner plötzlich und erst 1954 erfuhr die Familie, dass er tot war. Meißner war wegen angeblicher Kontakte zu amerikanischen Spionen verhaftet worden und am 26. Oktober 1948 von einem sowjetischen Militärtribunal wegen Spionage zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Meißner kam in das Speziallager Bautzen und starb dort am 19. März 1949. Im Jahr 1994 wurde Meißner rehabilitiert. Der älteste der Markgrafpiesker Opfer in Speziallagern war Karl Benjamin Wolfsohn. Er wurde 1887 geboren und lebte seit 1933 in dem Ort. Wolfsohn war Jude und wurde ab 1940 zur Zwangsarbeit in einem Sägewerk in Spreenhagen verpflichtet. Nach Kriegsende wurde er zunächst zum Oberbürgermeister des Dorfes und der Nachbargemeinden ernannt. Dabei versuchte er die großen Probleme in der Lebensmittel- und Wohnraumversorgung zu lösen. Am 15. November 1945 wurde er vom NKWD verhaftet und im März 1946 zu zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Sein Vermögen wurde eingezogen. Er soll Kühe an „faschistische Familien“ verteilt, einen früheren Nationalsozialisten zum Dorfpolizisten ernannt, „Sabotage“ betrieben, Verleumdungen über die Rote Armee geäußert und früher zu Gunsten der Nationalsozialisten gearbeitet haben. Im September 1946 kam er aus dem Zuchthaus Alt-Strelitz in das Speziallager Sachsenhausen, wo er am 24. Dezember 1946 starb. Im Jahre 2000 wurde er rehabilitiert.

Inschriften

Inschrift des Gedenksteins
(auf dem Schulplatz)
Zur Erinnerung / an acht Markgrafpiesker, / umgekommen / in den Internierungslagern / 1945–1950
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

August 2004 - Errichtung
Errichtung des Gedenksteins für die Toten der sowjetischen Speziallager aus Markgrafpieske

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Schulplatz
  • Stadt: Spreenhagen
  • Ortsteil: Markgrafpieske
  • Gebiet: Brandenburg
  • Land: Deutschland