Schwarzenberg, Deutschland

Gedenkstein für die Opfer stalinistischer und kommunistischer Willkür

 
Im Turm des im 12. Jahrhundert erbauten Schlosses Schwarzenberg befanden sich bereits seit 1558 Gefängniszellen. Diese wurden 1729 und 1852 erweitert, so dass das Schloss bis 1952 auch als Gefängnis genutzt wurde. Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg und Deutschland wurde von den alliierten Streitkräften besetzt. Die Amthauptmannschaft Schwarzenberg blieb jedoch bis zum 26. Juni 1945 unbesetztes Gebiet. In den einzelnen Städten und Gemeinden bildeten sich „Antifaschistische Aktionskomitees“, die bis zum Einrücken der Roten Armee im Juni 1945 die Organisation des öffentlichen Lebens übernahmen. Danach beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht das Schlossgelände und richteten hier ein Internierungs- und Durchgangslager ein, in dem sie kleine und mittlere Funktionsträger sowie einfache Angehörige nationalsozialistischer Organisationen inhaftierte. Im Zuge der Verhaftungen von politischen Gegnern des sowjetischen Besatzungsregimes wurden 1945/46 auch in Schwarzenberg zahlreiche Menschen ohne Haftbefehl und ohne Begründung gefangen genommen. Darunter befanden sich Beamte, Verwaltungsangestellte, Richter, Unternehmer und auch Geistliche, die allein aufgrund ihrer sozialen Herkunft ohne Nachweis einer konkreten Schuld als sogenannte „Klassenfeinde“ galten. Auch viele Jugendliche aus dem Landkreis Schwarzenberg wurden wegen angeblicher „Werwolf“-Tätigkeit harten Verhören unterzogen. Sie wurden im Schloss interniert und in die Lager Bautzen, Mühlberg oder Buchenwald transporiert. Tausende Gefangene wurden auch in Lager nach Sibirien verschleppt. 1950 wurde das Gefängnis zunächst von der Deutschen Volkspolizei übernommen, 1952 jedoch endgültig geschlossen. Heute bietet eine Dauerausstellung im Schlossturm anhand von Tagebucheintragungen, Kassibern und anderen Schriftstücken Einblicke in die Schicksale der Inhaftierten. Seit 1998 bemühte sich die Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. (VOS) um einen Gedenkstein für die 1945/46 hier Inhaftierten. Er wurde mit Unterstützung des Landrates des Landkreises Schwarzenberg am 12. April 2003 auf dem Außengelände des Schlosses feierlich eingeweiht.

Inschriften

Inschrift des Gedenksteins
(auf dem Außengelände des Schlosses)
Zum Gedenken an die / unschuldigen Opfer der / kommunistisch-stalinistischen / Willkür nach Kriegsende / ab Mai 1945
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • Schwarzenberg. Ouvertüre im Niemandsland, hrsg. von der Stadtverwaltung Schwarzenberg, Schwarzenberg 1995

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016