Waren (Müritz), Deutschland
Gedenkstein für die Opfer des NKWD
Im Gebäude Kietzstraße 10 befand sich seit dem 8. Mai 1945 eine Dienststelle der sowjetischen Geheimpolizei NKWD. Hier wurden zahlreiche Jugendliche und Erwachsene aus dem Müritzkreis wegen des Verdachts auf „Werwolf“-Tätigkeit und anderer Delikte verhört, gefoltert und zu Geständnissen gezwungen. Überlebende bezeichneten das Gebäude als „Haus des Schreckens“. Mehrere Schicksale verschleppter Jugendlicher konnten inzwischen aufgeklärt und veröffentlicht werden. Nach 1990 wurden die Verurteilten von der Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation als unschuldige Opfer rehabilitiert. An sie erinnern auch Gedenktafeln in Penzlin, Malchow und Güstrow.
Die Initiative für den Gedenkstein in Waren geht auf einen Beschluss des Bürgermeisters von Waren vom März 2004 in Zusammenarbeit mit der Raiffeisenbank Waren zurück. Der durch Spenden finanzierte Gedenkstein wurde am 14. November 2004 zum Volkstrauertag eingeweiht und trägt eine Tafel mit Inschrift.
Inschriften
Inschrift der Tafel auf dem Gedenkstein
(an der Kietzstraße 10)
VERWEILE UND LIES! / In diesem Gebäude, dem ehemaligen Landratsamt / bzw. Rat des Kreises, befand sich / vom 8.5.1945 bis Ende 1947 der Sitz / der sowjetischen Geheimpolizei GPU, später NKWD. / Hier begann für viele Mädchen und Jungen / sowie Erwachsene des Müritz-Kreises / nach Folter und Erpressung der Weg in leidvolle / jahrelange Haft, für viele in qualvoll-gewaltsamen / Tod; zwei 16-jährige Jungen trieb die Brutalität / der Verhöre zur Selbsttötung. / Nicht alle Namen von denen, die hier litten / sind bekannt, nicht aller Schicksal ist geklärt. / Jeder Dritte fiel den unmenschlichen Bedingungen / stalinistischer Straflager und ab 1950 dem / kommunistischen Strafvollzug der DDR zum Opfer. / Die von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilten, / auch die Erschossenen, wurden nach 1991 / vom Hauptmilitärstaatsanwalt / der Russischen Föderation rehabilitiert. / Bewahren wir den Opfern unser Gedenken.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
14. November 2004 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für die Opfer des NKWD
8. Mai 1945 bis 1947 - Historie
Nutzung des Gebäudes als Sitz des der sowjetischen Geheimpolizei GPU, später NKWD
Literatur
- Verschwiegene Geschichte. Die Werwolftragödie in Malchow, o. O. 2005
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
Weitere Informationen
- Stacheldraht 4/2004, S. 9
- Stacheldraht 1/2005, S. 7
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Kietzstraße 10
- Stadt: Waren (Müritz)
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland

