Dessau-Roßlau, Deutschland
Gedenkstein für die Opfer des Faschismus und Stalinismus
Am 6. Mai 1928 wurde in Dessau-Mildensee für den ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik Friedrich Ebert (1871–1925) ein Gedenkstein errichtet. Die Nationalsozialisten entfernten ihn, da sie keine öffentliche Erinnerung an den SPD-Politiker duldeten, der unter Anwendung des Notstandsartikels 48 nicht nur Aufstände von links, sondern auch den Kapp-Putsch (1920) und den Hitler-Putsch (1923) niederwerfen ließ. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gedenkstein wieder aufgestellt. Doch die SED hatte die Mitverantwortung Eberts bei der Niederwerfung des Spartakusaufstandes (1919) und seine Forderungen nach Reichswehrexekutionen gegen SPD/KPD-Regierungen in Thüringen und Sachsen (1923) nicht vergessen. Für die SED hatte die SPD in der Weimarer Zeit die Arbeiter „verraten“ und den Aufstieg der Nationalsozialisten begünstigt. Sie ließ deshalb die Widmung für Friedrich Ebert durch eine Tafel mit der Inschrift „Den Opfern des Faschismus“ überdecken. Zugleich erhielt der Platz, auf dem sich der Gedenkstein befand, den Namen des am Ende der Weimarer Republik in Dessau ermordeten Kommunisten Wilhelm Feuerherdt.
Im Februar 1990 beschloss die Stadt Dessau eine Erweiterung der Inschrift, um an den stalinistischen Terror und dessen Opfer nach 1945 zu erinnern.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
(auf dem Wilhelm-Feuerherdt-Platz)
Den Opfern / des Faschismus / und Stalinismus
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Dokumentation Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Bd. II., hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1999/2000
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Wilhelm-Feuerherdt-Platz
- Stadt: Dessau-Roßlau
- Ortsteil: Dessau
- Gebiet: Sachsen-Anhalt
- Land: Deutschland
