Malchow, Deutschland
Gedenkstein für die Opfer der Verfolgung durch die sowjetische Besatzungsmacht
Die Villa des früheren Fabrikbesitzers Gottfried Blanck in der Gartenstraße 19 in Malchow wurde im Mai 1945 zum Sitz der sowjetischen Ortskommandantur. Wie in anderen ostdeutschen Orten fielen der Suche nach den Verantwortlichen für die nationalsozialistischen Verbrechen auch zahllose Unschuldige zum Opfer. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene wurden verdächtigt, dem „Werwolf“, einer von den Nationalsozialisten propagandistisch aufgeblähten Untergrundbewegung, anzugehören.
Im Zeitraum vom Ende 1945 bis Anfang 1946 verhaftete die sowjetische Geheimpolizei in Malchow 33 Jugendliche aufgrund von Denunziationen oder Willkür. Viele von ihnen wurden zunächst in die Kellerräume der Kommandantur gesperrt, um später in das NKWD-Gefängnis nach Waren transportiert zu werden. Andere brachte man direkt dorthin. Hier wurden sie durch Angehörige des NKWD verhört und unter Folter zu Geständnissen gezwungen. Sowjetische Militärtribunale in Waren und Güstrow verurteilten die Verhafteten auf der Grundlage dieser Geständnisse zu zehn oder 15 Jahren Lagerhaft; ein 1929 geborener Eisenbahnlehrling wurde hingerichtet. Die Mehrheit der Verurteilten kam über das sowjetische Gefängnis Alt-Strelitz in das Speziallager Nr. 7 nach Sachsenhausen. Fünf Jugendliche aus Malchow starben an den unmenschlichen Bedingungen im Lager.
Die Auflösung des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen 1950 bedeutete nicht für alle Gefangenen das Ende der Haft. Einige wurden erst Jahre später aus dem Strafvollzug der DDR entlassen. Alle verhaftete Malchower Jugendliche wurden von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation am 18. Oktober 1991 rehabilitiert.
Erst nach der Überwindung der SED-Herrschaft konnte in Malchow die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel der Nachkriegsgeschichte beginnen. Auf Beschluss der Stadtvertretung wurde am 2. Juli 1998 vor der ehemaligen Blanckschen Villa ein Gedenkstein in Anwesenheit von Überlebenden aufgestellt. Am Gedenkstein ist eine Kupfertafel angebracht, die der Malchower Künstler Sieghard Dittner gestaltete. Eine Informationstafel erinnert seit dem 1. Juli 2011 an die Werwolftragödie 1945.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
(an der Gartenstraße 19)
In diesem Haus befand sich / von 1945–1947 die sowjetische / Zivilkommandantur. / Hier begann für viele Jugend-/ liche und Erwachsene / Malchowerinnen und / Malchower der Weg in leid-/volle Haft, für manche in / qualvoll-gewaltsamen Tod. / Ihr Schicksal mahnt!
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
1. Juli 2011 - Einweihung
Einweihung der Informationstafel
2. Juli 1998 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für die Opfer der Verfolgung durch die sowjetische Besatzungsmacht
Literatur
- Malchower Jugendliche erleben den Zusammenbruch 1945, Malchow 1996f
- Putzar, Arnulf H. K.: Im Schatten einer Zeit, Schwerin 1998
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Gartenstraße 19
- Stadt: Malchow
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland


