Jičín, Tschechische Republik
Gedenkstein für die Opfer der Intervention 1968
Der Gedenkstein für die Opfer der Intervention 1968, Jaroslav Veselý und Zdena Klimešova, wurde zu Beginn der 1990er Jahre an der Kreuzung Na Letné am nordöstlichen Rand der Innenstadt errichtet. Der schlichte aus grauem Granit gefertigte Stein zeigt eine Veselý und Klimešova gewidmete Inschrift. Die Stadtverwaltung Jičín war an der Errichtung beteiligt.
Nach dem Einmarsch der Interventionstruppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 wurde die nordböhmische Stadt Jičín von polnischen Truppen besetzt. Am Abend des 7. September gingen die Soldaten der Militäreinheit Nr. 2702, Zykmund Zapasa, Zdzisław Kowalski, Stefan Dorn, Feliks Zajac und Wieslaw Czerwonka, nach Dienstende in die Innenstadt. Dort betranken sie sich und traten am späten Abend den Heimweg an, um vor Mitternacht wieder bei ihrer Einheit zu sein. Gegen 23.00 Uhr passierte die Gruppe die Kreuzung Na Letné, wo sie auf eine Gruppe tschechischer Jugendlicher trafen, die gerade aus dem nahe gelegenen Kino kamen.
Nachdem ein nahe der Kreuzung gelegenes Lokal bereits geschlossen hatte, entbrannte unter den polnischen Soldaten ein heftiger Streit darüber, ob der Weg in die Kaserne fortgesetzt werden sollte. Stefan Dorn zog plötzlich seine Dienstwaffe und fing an in die Luft zu schießen. Seine Kameraden, von denen er zwei bereits verwundet hatte, versuchten vergeblich ihn zu beruhigen. Dorn zielte auf die Gruppe der Jugendlichen, die an einer Telefonzelle nahe der Kreuzung stand. Jaroslav Veselý, Zdena Klimešova und Jana Jenčkova wurden getroffen und sanken zu Boden, die anderen drei versuchten in Deckung zu gehen. Zwei der polnischen Soldaten liefen daraufhin zur Kaserne, um dort Hilfe zu holen. Unterdessen ging Dorn zu den Verletzten und begann diese zu drangsalieren. Er feuerte weitere Schüsse ab und zielte auf die bereits am Boden liegenden Jugendlichen. Vítezslav Klimeš gelang es schließlich zu flüchten und die Miliz zu alarmieren. Mehrere Fahrzeuge hatten sich inzwischen dem Schauplatz genähert. Dorn feuerte auch auf diese und verletzte dabei eine Frau.
Bis zum Eintreffen der Polizei waren Jaroslav Veselý und Zdena Klimešova bereits ihren Verletzungen erlegen. Zeitgleich mit der Ankunft der tschechoslowakischen Miliz traf auch der Kommandeur der polnischen Einheit am Tatort ein und ließ Dorn abführen. Die beiden verletzten polnischen Soldaten wurden ins Krankenhaus der tschechoslowakischen Geheimpolizei eingeliefert. Die Leichname von Jaroslav Veselý und Zdena Klimešova wurden zur Obduktion ins städtische Krankenhaus verbracht.
Die Nachricht von der Schießerei verbreitete sich am kommenden Tag in der gesamten Stadt. Zahlreiche empörte Protestresolutionen, unter anderem von den Kollegen von Jaroslav Veselý, wurden aufgesetzt und an den Staats- und Parteiapparat gesandt. Das Stadt- und Gebietsparteikomitee der tschechoslowakischen KP setzten ihrerseits eine Protestnote auf, welche an die tschechoslowakische und polnische Regierung gesandt wurde. Sie schlossen sich den in der Bevölkerung erhobenen Forderungen nach Aufklärung des Vorfalls und Bestrafung der Täter uneingeschränkt an. Die Stadtverwaltung trat am Abend zu einer Sondersitzung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Auch hier wurde eine offizielle Erklärung vorbereitet, in welcher der Mord scharf verurteilt und den Hinterbliebenen finanzielle Unterstützung zugesichert wurde. Für den 12. September setzte die Stadtverwaltung ein Ehrenbegräbnis für Jaroslav Veselý und Zdena Klimešova an. Am Vormittag des Tages versammelten sich auf dem damaligen Gottwald-Platz im Stadtzentrum tausende Menschen, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Am Tatort selbst waren zwei Kreuze aufgestellt und zahllose Blumen niedergelegt worden.
Stefan Dorn wurde noch am 8. September 1968 offiziell verhaftet, nachdem seine Kameraden den Tathergang geschildert hatten. Um einer von tschechoslowakischer Seite geforderten Auslieferung Dorns zuvorzukommen, wurde er ins Militärgefängnis nach Kłodzko (Polen) überstellt. Am 18. Oktober 1968 verurteilte ihn ein Kriegsgericht zum Tode. Nach einem Gnadengesuch an die polnische Regierung erhielt er eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Nach 15 Jahren wurde Stefan Dorn 1983 aus dem Gefängnis entlassen. Die polnische Einheit, der Dorn angehört hatte, wurde noch im September 1968 aus Jičín abgezogen und in einen anderen Landesteil verlegt.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(am Kreisverkehr Na Letné)
Obětem intervence / 1968 v Jičíně /
Jaroslav / Veselý /
Zdena / Klimešová
Deutsche Übersetzung:
Den Opfern der Intervention in Jičín Jaroslav Veselý Zdena Klimešová
Den Opfern der Intervention in Jičín Jaroslav Veselý Zdena Klimešová
Sprache: Tschechisch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
bis 1989 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die Opfer der Intervention 1968
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: am Kreisverkehr Na Letné, zwischen den Straßen Vrcha und Maršála Koněva
- Stadt: Jičín
- Gebiet: Region Hradec Králové
- Land: Tschechische Republik
