Greußen, Deutschland
Gedenkstein für die „Greußener Jungs“
In den letzten Monaten des Jahres 1945 sowie im Januar 1946 wurden infolge einer Denunziation 36 Jugendliche und zwei ältere Männer der thüringischen Kleinstadt Greußen, Kreis Sondershausen, wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer „Werwolf“-Organisation verhaftet. Eine derartige Organisation hatte es in Greußenjedoch nicht gegeben. Die Anklage basierte auf Drohbriefen, die sich der Kassierer des Greußener Kinos selbst geschrieben hatte; Zettel, auf denen „Der Werwolf“ angeblich ihn und ein anderes KPD-Mitglied mit dem Tode bedrohte. Mit dieser pauschalen Denunziation der Greußener Jugend nahm für die 38 daraufhin Verhafteten ein schreckliches Schicksal seinen Lauf. Die Beschuldigten wurden von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD inhaftiert und verurteilt. Zunächst wurden die zwischen 15 und 23 Jahre alten Jugendlichen im Keller der örtlichen Sparkasse, der als Untersuchungsgefängnis diente (im Volksmund „GPU-Keller“ genannt), eingesperrt und misshandelt. Anschließend kamen sie in das NKWD-Gefängnis nach Sondershausen, wo sie zu „Geständnissen“ gezwungen wurden. Im Juli 1946 verurteilte ein Sowjetisches Militärtribunal (SMT) die Jungen wegen „terroristischer Akte“ gegen die „Arbeiter- und Bauernregierung“ bzw. deren Vorbereitung und Planung. Ohne ersichtliche Gründe wurden unterschiedliche Strafmaße, drei Todesurteile sowie zwischen fünf und 15 Jahren Zwangsarbeit bzw. Arbeitslager, verhängt. Nach ihrer Verurteilung verbrachte man die Greußener Gruppe 1946 in das sowjetische Speziallager Sachsenhausen. Die Eltern kämpften um die Freilassung ihrer Söhne. Als der Denunziant festgestellt und am 23. Juli 1947 sogar rechtskräftig verurteilt worden war, intensivierten sie ihre Bemühungen. Doch vergeblich: die 38 unschuldig Inhaftierten wurden nicht freigelassen. Nur 14 der 38 Greußener Jungs überlebten das Speziallager Sachsenhausen.
Unmittelbar nach der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 beschloss der neugewählte Gemeinderat in seiner ersten Sitzung die Errichtung eines Mahnmals. Am 24. November 1990 wurde der Gedenkstein für die ersten Opfer des Stalinismus in Greußen feierlich eingeweiht. An der Gedenkstunde nahmen auch vier der Überlebenden teil. Ausstellungsstücke und Dokumente zur Geschichte der Greußener Jungen sind im Bonner Haus der Geschichte und in der Gedenkstätte Sachsenhausen zu sehen.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
(vor der Oberschule)
Zum Gedenken // der ersten Opfer / des / Stalinismus / in Greußen 1945/46 // Karl Heinz Anders / Richard Anschütz / Karl Bähr/Hermann Beisker / Hans Joachim Biber / Horst Blank / Richard Bohrloch / Horst Burkhardt / Max Dreissig / Hans Dünkel / Hans Garbe / Fritz Gerlach / Horst Goymann / Hans Götze / Siegfried Gräser / Alfred Hafermalz / Helmut Henze / Gerd Hohnstein / Kurt Hüllemann / Jürgen Kirmes/ Helmut Kühn / Otto Landgraf / Werner Limpert / Wolfgang Mieth / Rudi Muscho / Norbert Müller / Herwarth Neubert / Arno Neuschild / Horst Nolde / Hans Joachim Pfeiffer / Karl Heinz Schaumburg / Joachim Scherzberg / Alfred Sittkus / Paul Stieting / Heinz Trinks / Helmut Trotzer / Kurt Weiss / Harry Zimmermann
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
24. November 1990 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für die „Greußener Jungs“
Literatur
- Agde, Günter: Die Greußener Jungs: Hitlers Werwölfe, Stalins Geheimpolizisten und ein Prozess in Thüringen. Eine Dokumentation, Berlin 1995
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Bahnhofstraße, vor der Oberschule
- Stadt: Greußen
- Gebiet: Thüringen
- Land: Deutschland
