Geisa, Deutschland

Gedenkstein für den geschleiften Seeleshof

 
Das Dorf Walkes liegt direkt an der Grenze zwischen Thüringen und Hessen und gehörte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu den 1 500 Orten an der Demarkationslinie zwischen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands. Der Ort lag in der fünf Kilometer breiten Sperrzone, die als Teil der „Sicherungsmaßnahmen“ nach Schließung der innerdeutschen Grenze im Mai 1952 durch die Grenzpolizei der DDR eingerichtet worden war. Zu den „Sicherungsmaßnahmen“ gehörten auch die Zwangsaussiedlungen, die im Juni 1952 unter dem Tarnnamen „Aktion Ungeziefer“ durchgeführt wurden und bis in die 1970er Jahre anhielten. Menschen wurden gegen ihren Willen in das Innere der DDR deportiert, grenznahe Gebäude mit zum Teil jahrhundertealter Tradition zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Im August 1974 traf es den Seeleshof der Familie Heller in Walkes. Im Jahr 1997 errichteten Angehörige der Familie Heller einen Gedenkstein an der Stelle, wo der Seeleshof einst stand. Die feierliche Einweihung fand im Rahmen eines Gottesdienstes im Beisein von etwa 200 Angehörigen und Freunden statt. Die Tafel auf dem Gedenkstein trägt eine Inschrift.

Inschriften

Inschrift des Gedenksteins
(am einstigen Standort des Seeleshofes)
Zur Erinnerung an den / Seeleshof / Ersterwähnung 932 / Aus staatspolitischen Gründen / am 23. August 1974 zerstört. / Es soll an alle Menschen erinnert / werden, die hier gelebt und / gearbeitet haben. / Errichtet von den Nachfahren / 1997
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • Bennewitz, Inge/Potratz, Rainer: Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze, Berlin 1994 (= Forschungen zur DDR-Geschichte, Bd. 4)

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016