Großbeeren, Deutschland
Gedenkstein für das geschleifte Dorf Osdorf
Das märkische Bauerndorf Osdorf wurde im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. 1874 kaufte die Stadt Berlin Osdorf zusammen mit dem Gut Friederikenhof auf und ließ dort bis 1878 Rieselanlagen bauen. Diese dienten dazu, die Abwässer Berlins auf die Felder von Osdorf umzuleiten, um Berlin vor Seuchen und Verunreinigungen zu schützen. Während des Zweiten Weltkrieg erlitt Osdorf – im Gegensatz zum benachbarten Heinersdorf – nur geringe Schäden. Mit der deutschen Teilung wurde Osdorf zum Grenzgebiet, das in den 1950er Jahren bereits über einen gesicherter Grenzsicherungspunkt verfügte, der Personenbewegungen von und nach Westberlin kontrollierte. Über Schleichwege waren illegale Grenzübertritte aber immer noch möglich. Mit dem Mauerbau 1961 konnten nun auch diese Pfade nicht mehr genutzt werden. Osdorf war nun unmittelbares Grenzdorf. Im Zuge des Ausbaus der Grenzanlage in den 1960er Jahren wurde der Ort schließlich geräumt und abgerissen. Die Mehrzahl der ca. 150 Einwohner wurde in das benachbarte Heinersdorf umgesiedelt. Von dem alten Bauerndorf blieb nach dem Abriss durch sowjetische Soldaten nur eine ehemalige Gutsscheune erhalten. Alle anderen Gebäude sowie der Friedhof im Ortsteil Siegridshorst verschwanden.
Im Herbst 2002 stellte die Interessengemeinschaft ehemaliger Osdorfer Bewohner einen Antrag auf Errichtung eines Gedenksteins, dem die Stadt Großbeeren zustimmte. Die Firma BESO aus Heinersdorf spendete den Granitstein, der am 11. Juni 2003 vom Großbeerener Bürgermeister Carl Ahlgrimm und dem Ortschronisten Kurt Berg enthüllt wurde.
Inschriften
Inschrift der Tafel auf dem Gedenkstein
(an der Osdorfer Straße 1)
Hier befand sich einst das / Dorf Osdorf. / Das Dorf wurde in den 60er Jahren / dem DDR-Grenzbau geopfert / und ab 1968 mit Ausnahme der / Osdorfer Scheune komplett / abgerissen. / 1369 erstmals urkundlich / erwähnt, wurde das märkische / Bauerndorf mit seinem Gut / besonders ab 1875 durch die / ersten hier angelegten Rieselfelder / der Berliner Stadtgüter bekannt. / Heute gehört Osdorf / zum Ortsteil Heinersdorf / der Gemeinde Großbeeren. / Juni 2003
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
11. Juni 2003 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für das geschleifte Dorf Osdorf
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Osdorfer Straße 1, neben dem Gut Osdorf, nahe der südlichen Berliner Stadtgrenze
- Stadt: Großbeeren
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland
