Schlagsdorf, Deutschland

Gedenkstein für das geschleifte Dorf Neuhof

 
Das Dorf Neuhof wurde bereits 1336 in einer Urkunde unter dem Namen „Nigehof“ als Besitz des Ratzeburger Domkapitels erwähnt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde Neuhof neu erbaut. Im Zuge der Reformation wurde der Gutshof säkularisiert und war fortan herzogliches Eigentum. 1644 wurde das Dorf durch schwedische Truppen zerstört und kurz danach wiederaufgebaut. Das Herrenhaus, das bis in die Gegenwart das Dorfbild bestimmte, wurde um 1840 errichtet. 87 Einwohner hatte Neuhof bei der letzten Volkszählung vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Gutshofanlage lag auf einer von Wiesen flankierten Erhebung. Die Wohnhäuser der Gutsarbeiter lagen am Weg zur Nachbargemeinde Schlagsdorf. In beiden Orten stieg die Einwohnerzahl bei Kriegsende durch Flüchtlinge auf über 100 an. Die Bodenreform teilte das Gutsland auf und das Dorf vergrößerte sich durch Neubauernstellen nochmals. Durch den Bau fester Straßen, einer zentralen Wasserversorgung und der Einrichtung einer Verkaufsstelle in den 1950er Jahren wurde die Infrastruktur verbessert. 140 Einwohner hatte Neuhof 1958, die höchste Einwohnerzahl in seiner Geschichte. Neuhof befand sich wie zahlreiche andere Dörfer im Grenzbereich der DDR. Aufgrund der strikten „Grenzsicherungsmaßnahmen“ in der Fünf-Kilometer-Sperrzone verließen seit den späten 1950er Jahren nach und nach Bewohner den Ort. An der Grenze wurde zunächst der Weg nach Schlagsdorf durch den Wald gesperrt. Später rodeten Grenztruppen das Waldstück. 1972 versuchten Funktionäre vom Rat des Kreises den Bewohner schließlich deutlich zu machen, dass ihr Dorf zur „Sicherung der Staatsgrenze“ weichen müsse. Vom 10. November 1975 bis April 1976 wurden die Wohngebäude abgerissen. Im Januar 1977 existierte Neuhof nicht mehr. Am 5. Juli 2010 wurde auf dem früheren Dorfgelände von Neuhof ein Findling mit Ortsnamen und Jahreszahlen als Gedenkstein eingeweiht. Er erinnert an die 1977 zerstörte Ortschaft.

Inschriften

Inschrift des Gedenksteins
(östlich des Ratzeburger Sees)
Neuhof / 1363 – 1977 / geschleift
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

5. Juli 2010 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für das geschleifte Dorf Neuhof
November 1975 bis April 1976 - Historie
Systematischer Abgriss der Wohnhäuser des Dorfes Neuhof im Zuge der "Grenzsicherungsmaßnahmen" der DDR

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016