Ludwigslust, Deutschland
Gedenkstein für Arthur D. Nicholson
Am 24. März 1985 befand sich der US-amerikanische Major Arthur D. Nicholson von der US-Militärmission auf einer Erkundungsfahrt im damaligen Bezirk Schwerin. Der 1948 geborene US-Soldat fuhr mit zwei Fahrern zum Panzerschießplatz Techentin und hielt in der Nähe einer „Panzerbox“. Die US-Amerikaner hofften hier, einen neuen sowjetischen Panzertypen zu Gesicht zu bekommen. Nicholson fotografierte und wurde dabei von einem sowjetischen Soldaten beobachtet. Die weiteren Ereignisse werden von sowjetischer und US-amerikanischer Seite unterschiedlich dargestellt. Strittig ist, ob der sowjetische Soldat einen Warnschuss abgab und Nicholson nach einer Aufforderung, stehen zu bleiben, weiterlief. Nicholson wurde schließlich gezielt erschossen. Die sowjetischen Soldaten behaupteten, Nicholson habe sich im Sperrgebiet aufgehalten und sei auf der Flucht erschossen worden. Von US-amerikanischer Seite wurde dies bestritten. Weder habe sich der US-Soldaten im Sperrgebiet befunden noch seien die Angehörigen der US-Militärmission bewaffnet gewesen. Nach Angaben eines begleitenden US-Sergeanten seien sofort gezielte Schüsse abgefeuert und sie selbst an ärztlicher Hilfeleistung gehindert worden.
Die Regierung der Vereinigten Staaten protestierte scharf gegen den Vorfall. Der sowjetische Militärattaché in Washington wurde sofort ins State Departement gerufen und aufgefordertm den Vorfall zu erklären. US-Präsident Ronald Reagan bezeichnete die Tat als „unrechtmäßiges Verbrechen“. Nach einem Treffen der Oberbefehlshaber der sowjetischen und der US-amerikanischen Truppen in Deutschland gab der sowjetische General bekannt, dass sowjetische Soldaten in der DDR künftig keine Schusswaffen mehr gegen Angehörige der US-amerikanischen Militärmission gebrauchen dürften. Wenige Tage später hieß es allerdings, dass Gewalt gegen unbekannte Eindringlinge in sowjetischen Militäreinrichtungen möglich sei.
Von sowjetischer Seite wurde der Vorfall mit Nicholson bedauert, eine Entschuldigung erfolgte jedoch zunächst nicht. Auch in der Folgezeit kam es zu „Unfällen“, bei denen sowjetische Fahrzeuge Militärautos der Westalliierten rammten. Fast genau ein Jahr zuvor hatte die Staatssicherheit einen Unfall provoziert, bei dem der Angehörige der französischen Militärmission Philippe Mariotti starb. Für das Ministerium für Staatssicherheit waren die westlichen Militärmissionen wichtige Ermittlungsziele. Ihre Tätigkeit war allerdings legal und erfolgte unbewaffnet. „Aufklärungsfahrten“ wie die von Nicholsons gab es auch von sowjetischer Seite in Richtung Bundesrepublik Deutschland. Im Gegensatz zu den sowjetischen Soldaten hatten aber die US-Amerikaner strikte Anweisung, bei Verhaftungen keine Gewalt anzuwenden.
Nicholson wurde am 6. April 1985 auf dem Arlington National Cemetery bestattet. Jährlich wird dort eine Gedenkfeier durchgeführt. Das Bibliotheksgebäude des AlliiertenMuseums trägt Nicholsons Namen.
Im April 1988 unterzeichneten der US-amerikanische und der sowjetische Befehlshaber in Deutschland ein Abkommen, mit dem das Verfahren mit Angehörigen der Militärmissionen verbindlich geregelt wurde. Im Juni 1988 entschuldigte sich der sowjetische Verteidigungsminister am Rande des Gipfeltreffens Reagan-Gorbatschow offiziell für den Tod Nicholsons drei Jahre zuvor.
Anlässlich des 20. Todestages Arthur D. Nicholsons wurde am 24. März 2005 bei Ludwigslust vom AlliiertenMuseum in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Botschaft, dem Bundesverteidigungsministerium und dem Verteidigungsbezirkskommando Schwerin ein Gedenkstein mit einer Tafel für den US-Major eingeweiht. Dabei waren auch seine Witwe und frühere Angehörige der Militärmission anwesend.
Inschriften
Inschrift der Tafel auf dem Gedenkstein
(an der B 191)
24. März 1985 / Zum Andenken an Major Arthur D. Nicholson jr. / Im Dienst der US Militärverbindungsmission zu den Streitkräften / der Sowjetunion in Deutschland wurde er von einem / sowjetischen Wachposten erschossen.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
24. März 2005 - Eröffnung
Übergabe des Gedenksteins an die Öffentlichkeit
Literatur
- Behling, Klaus: Spione in Uniform. Die alliierten Militärmissionen in Deutschland, Stuttgart 2004
- Mußgnug, Dorothee: Alliierte Militärmissionen in Deutschland 1946–1990, Berlin 2001 (= Zeitgeschichtliche Forschungen, Bd. 9)
- Probst, Peter: Stichwort: Die alliierten Militärmissionen in Deutschland, in: Deutschland-Archiv 5 (1985), S. 470f
- Gedenkstein für US-Major, in: Ostsee-Zeitung, 26.3.2005
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: An der B 191 bei Ludwigslust-Techentin
- Stadt: Ludwigslust
- Ortsteil: Techentin
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland
