Zittau, Deutschland

Gedenkstein für 89 Opfer der SED-Diktatur

 
Auf dem Hauptfriedhof in Zittau erinnert ein Gedenkstein an 89 verstorbene bzw. hingerichtete Häftlinge der Strafvollzugsanstalt Bautzen. Ihre Leichen wurden zwischen 1951 und 1956 im Krematorium von Zittau eingeäschert und die Urnen nach Bautzen zurückgeführt. Dort lagerten sie bis 1956 in einem Raum des Torhauses. Eine Übergabe an die Angehörigen und damit eine Bestattung in den Heimatorten fand nicht statt, um die Todesfälle so weit wie möglich geheim zu halten. Durch die Einlagerung sollte ferner verhindert werden, dass die Hinterbliebenen auf andere Weise in den Besitz der Urnen gelangten. Die Opfer waren zum überwiegenden Teil Häftlinge der sowjetischen Speziallager und Gefängnissen, die im Februar 1950 an die deutsche Strafjustiz übergeben wurden. Viele von ihnen waren an Unterernährung und Krankheiten wie Tuberkulose gestorben. Zudem zählten zu den in Zittau Eingeäscherten auch Beteiligte am Aufstand vom 17. Juni 1953, die zum Tode verurteilt worden waren. Im November 1956 wurden die Urnen nach Zittau zurückgebracht und am 22. August 1957 in aller Heimlichkeit auf dem Urnenhain des Friedhofs begraben. Offiziell hätte die Krematoriumsverwaltung nun auch die Hinterbliebenen über den Bestattungsort ihrer verstorbenen Angehörigen in Kenntnis setzen können, dies fand nach bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht statt. Die Sammelstelle wurde 1977 eingeebnet und die Aschereste ohne Urnen in einer Gemeinschaftsanlage erneut beigesetzt. Auf Initiative der Bezirksgruppe Zittau der Gemeinschaft ehemaliger politischer Häftlinge wurde am 22. April 1995 ein Gedenkstein für 89 politische Häftlinge eingeweiht, die dort am 22. August 1957 in aller Heimlichkeit bestattet worden waren.

Inschriften

Inschrift des Gedenkstein
(auf dem Friedhof des Zittauer Krematoriums)
In Gedenken / der 89 Opfer / der / SED-Diktatur / 1950–1956
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

22. April 1995 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins für 89 Opfer der SED-Diktatur
1977 - Historie
Sammelstelle wird eingeebnet und Aschereste ohne Urnen in Gemeinschaftsanlage erneut beigesetzt
22. August 1957 - Historie
Asche von 89 Häftlingen der Strafvollzugsanstalt Bautzen wird heimlich auf dem Urnenhain des Friedhofs in Zittau begraben
1951 bis 1956 - Historie
Leichen von 89 Häftlingen der Strafvollzugsanstalt Bautzen werden im Zittauer Krematoroum eingeäschert

Literatur

  • Das Gelbe Elend. Bautzen-Häftlinge berichten. 1945–1950, hrsg. vom Bautzen-Komitee, Berlin 1997

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016