Werneuchen, Deutschland

Gedenkstätte zur Erinnerung an das sowjetische Speziallager Nr. 7

 
Von 10. Mai bis 16. August 1945 befand sich in einem abgetrennten Teil des Dorfes Weesow bei Werneuchen das Speziallager Nr. 7. Die sowjetische Geheimpolizei NKWD nutzte es als Sammel- und Durchgangslager für die Verhafteten aus dem Großraum Berlin und Brandenburg sowie für Gefangenentransporte dem Speziallager Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen. Weesow gehörte neben den Speziallagern Nr. 5 Ketschendorf und Nr. 9 Fünfeichen zu den ersten Speziallagern, die auf dem Territorium der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) entstanden waren. Unter den Häftlingen befanden sich kleinere und mittlere NS-Funktionäre, kriegsgefangene Wehrmachtsangehörige, festgenommene Zivilisten – unter ihnen viele Jugendliche, denen „Werwolf“-Tätigkeit vorgeworfen wurde – aber auch Angehörige der Wlassow-Armee. Ein großer Teil der in Weesow zivilinternierten Deutschen wurde wurde von hier aus in das im Januar 1946 aufgelöste Lager Nr. 4 Landsberg / Warthe und von dort in das Speziallager Nr. 2 Buchenwald verlegt. Getrennt von den anderen Speziallagerhäftlingen wurden die deutschen Kriegsgefangenen sowie die Soldaten der Wlassow-Armee in die Sowjetunion deportiert. Insgesamt haben etwa 15 000 Menschen das Lager durchlaufen. Die von den sowjetischen Sicherheitsorganen verhafteten Deutschen wurden zuerst im benachbarten Werneuchen auf einem Flugfeld im Freien gefangen gehalten. Später wurden in Weesow sechs Bauerngehöfte am Dorfausgang in Richtung Wilmersdorf als Lager hergerichtet, mit Stacheldraht umzäunt und scharf bewacht. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse und die mangelhafte Ernährung führten zum Ausbruch einer Ruhr-Epidemie, an der etwa 1 000 bis 1 500 Gefangene starben. Da die Bauernhöfe aufgrund der schlechten Bedingungen für eine dauerhafte Nutzung als Speziallager ungeeignet waren, mussten die in Weesow verbliebenen etwa 2 000 Häftlinge am 16. August 1945 einen 40 Kilometer langen Fußmarsch nach Oranienburg zum Speziallager Sachsenhausen antreten, den viele von ihnen nicht überlebten. Zurück blieb ein Massengrab in einer stillgelegten Kiesgrube am Ortsrand von Weesow. Obwohl das Lager, wie alle sowjetischen Speziallager in der DDR, ein Tabu bleiben sollte, wurden dort in den 1950er Jahren einzelne Grabsteine von Angehörigen der Opfer errichtet. Später verwilderte die Stätte bis zur Unkenntlichkeit. Entgegen der Genfer Konvention wurde außerdem dicht an den Massengräbern eine Mülldeponie betrieben. Nach 1990 ließ der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), auf Initiative ehemaliger Häftlinge, Probegrabungen auf dem Gelände durchführen. Nachdem das Massengrab mit den meist unbekleidet bestatteten Toten aufgefunden worden war, konnte am 18. Oktober 1992 durch den VDK zusammen mit den Angehörigen der Opfer, der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945–1950 e. V. sowie der Landesregierung Brandenburg eine Gedenkstätte eingeweiht und so der Ort des Massengrabes kenntlich gemacht werden. Die feierliche Einweihung erfolgte im Rahmen eines ökumenischen Gedenkgottesdienstes in der Kirche von Weesow. Der Bildhauer Stephan Möller aus Hohenbruch gestaltete für diesen Ort einen Naturstein, der an ein Kreuz erinnert. Angehörige der Opfer setzten einzelne Gedenksteine und pflanzten eine Buche am Ort der Gräber. Die Gedenkstätte ist eingezäunt, aber jederzeit zugänglich. Am Eingang befinden sich Informationstafeln zum Speziallager Weesow.

Literatur

  • Flocken, Jan von/Klonovsky, Michael: Stalins Lager in Deutschland 1945–1950. Dokumentation, Zeugenberichte, Berlin/Frankfurt a.M. 1991
  • Morré, Jörg: Werneuchen/Weesow. Speziallager Nr. 7 (Mai–August 1945), in: Morré, Jörg: Speziallager des NKWD. Sowjetische Internierungslager in Brandenburg 1945–1950, Potsdam 1997

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016