Berlin, Deutschland
Gedenkstätte zum 17. Juni 1953
Eine Woche nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und in Ost-Berlin errichteten Beteiligte, die nach West-Berlin geflüchtet waren, ein provisorisches Gedenkkreuz vor dem sowjetischen Panzer, der nach dem Sieg der Roten Armee 1945 auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Chaussee aufgestellt worden war. Das bereits an diesem 25. Juni 1953 spontan errichtete Holzkreuz vor dem Panzer wurde am 20. Juli 1953 durch ein neues Holzkreuz mit Gedenktafel ersetzt. Der Panzer musste durch einen Maschendrahtkäfig vor Anschlägen geschützt werden und wurde einige Jahre später schließlich auf das Gebiet der DDR nahe dem früheren Grenzübergang Dreilinden verlegt. Hier findet alljährlich am Vorabend des 17. Juni eine Gedenkfeier der Vereinigung des 17. Juni 1953 e. V. statt.
Gegenüber dem Kreuz hat im Beisein von Alexander Kerenski, Ministerpräsident der durch die Oktoberevolution 1917 gestürzten sozialistisch-liberalen Regierung Russlands, die Vereinigung 17. Juni 1953 e. V. 1954 einen Gedenkstein eingeweiht. Dieser soll an jene sowjetischen Soldaten und Offiziere erinnern, die bisher unbestätigten Berichten zufolge, während des Volksaufstandes den Befehl verweigerten, deutsche „Aufrührer“ zu erschießen. Die Informationen, die zur Errichtung des Denkmals führten, entstammen einem Flugblatt, das eine russische Emigranten- und Widerstandsorganisation herausgegeben hat. Danach sind im Morgengrauen des 27. Juni 1953 bei Biedritz, im damaligen Bezirk Magdeburg, vor dem angetretenen 73. sowjetischen Schützenregiment 18 Soldaten erschossen worden. Doch weder in den deutschen noch in den russischen Archiven fand sich eine Spur dieser Exekution. Der sowjetische Offizier, von dem die Informationen stammten, war bereits im April 1953 in den Westen geflohen, also Monate vor dem Volksaufstand. Die Forschung geht gegenwärtig davon aus, dass es sich bei der Nachricht von den erschossenen Sowjetsoldaten um eine Fehlinformation gehandelt hat.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(auf dem Gedenkkreuz)
Den Opfern / und / unerschrockenen / Kämpfern / für / Menschenrecht / Menschenwürde / für / Wahrheit und Freiheit / 17. Juni 1953
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Erinnerungstafel
(unterhalb der Gedenktafel auf dem Gedenkkreuz)
Wieviel Menschen sind froh, dass DU gelebt - // Unserem 1. Vorsitzenden, / dem aktiven Kämpfer des Volksaufstandes 1953 // Manfred Plöckinger // 19.01.1932 - 19.12. 2002 // zum ehrenden Gedenken // Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift des Hinweisschildes
Gedenkstätte / 17. Juni 1953
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift des Gedenksteins
Den / russischen / Offizieren / und / Soldaten, / die sterben mussten, / weil sie sich / weigerten, auf die / Freiheitskämpfer / des 17. Juni 1953 / zu schießen
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Holzapfel, Carl-Wolfgang (Hrsg.): 50 Jahre „17. Juni 1953“. Spurensuche. Helden der Menschlichkeit, Berlin 2003
- Kowalczuk, Ilko-Sascha: 17.6.1953: Volksaufstand in der DDR. Ursachen – Abläufe – Folgen, Bremen 2003
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Potsdamer Chaussee / Avuseinfahrt
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Steglitz-Zehlendorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland





