Stollberg / Erzgebirge, Deutschland

Gedenkstätte Hoheneck

 
In der Kleinstadt Stollberg im mittleren Erzgebirge liegt die berüchtigte, burgähnliche Haftanstalt Hoheneck, die bereits seit 1864 zur Strafverbüßung für weibliche und männliche Strafgefangene genutzt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führte die sowjetische Besatzungsmacht die Burg Hoheneck auf dem Schlossberg in Stollberg als Straflager. Zeitweise waren dort bis zu 2 000 Menschen in der für rund 230 Häftlinge ausgelegten Gefängnisanlage zusammengepfercht. Nach der Auflösung des sowjetischen Lagersystems übernahm die DDR-Justiz auch das Gefängnis Hoheneck und brachte dort fast ausschließlich weibliche Gefangene unter. Ab 1950 waren hier 1 000 von sowjetischen Militärtribunalen verurteilte Frauen inhaftiert, die erst 1956 amnestiert wurden. Zusammen mit ihren Müttern waren auch 30 Kinder in Gefangenschaft. Mit der Einkerkerung dieser Frauen begann die Geschichte Hohenecks als größtes und berüchtigtstes Frauengefängnis der DDR. Wegen der katastrophalen Haftbedingungen und der körperlichen Schwächung aufgrund der vorangegangenen Inhaftierung in den sowjetischen Speziallagern fielen vor allem in der Anfangszeit viele Frauen der Tuberkulose zum Opfer. Die Urnen der Verstorbenen wurden unter anderem auf dem städtischen Friedhof in Chemnitz beigesetzt. Hoheneck war wegen des militärischen Drills im Gefängnisalltag, der menschenunwürdiger Haftbedingungen und Schikanen durch das Wachpersonal gefürchtet. Es besaß unter anderem eine „besondere Abteilung“ für alle „äußerst renitenten“ weiblichen Strafgefangenen. Bis zum Ende der DDR waren hier zahlreiche Frauen inhaftiert, die wegen politischer Delikte wie „Republikflucht“ oder „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt worden waren. Etwa 15 000 von ihnen sind während der DDR-Zeit in den Westen „freigekauft“ worden. 1990 wurde die Haftanstalt der Justizverwaltung des Freistaates Sachsen unterstellt und im Mai 2001 geschlossen; die Insassinnen kam en in die Justizanstalt Chemnitz, und das Gebäude wurde an einen Inverstor verkauft. Der Investor, die Unternehmensgruppe Artemis GmbH, plante in den Gebäuden des ehemaligen Frauengefängnisses eine Erlebnisgastronomie mit Hotel, Tagungsräumen und Automobilmuseum zu eröffnen. Diese Vorhaben scheiterte am Widerstand der Opferverbände, die bei einer derartigen Umnutzung den Charakter des Gedenkortes gefährdet sahen. Nachdem das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck 2012 in das Sächsische Gedenkstättenstiftungsgesetz aufgenommen wurde, erwarb die Stadt Stollberg im darauffolgenden Jahr das gesamte Areal mit dem Ziel den Gebäudekomplex als historischen Ort dauerhaft zu erhalten. Es folgten umfangreiche Sanierungs- und Umnutzungsarbeiten der Anlage als Gedenk- und Bildungsstätte, seit 2019 wurde an der Konzeption einer Dauerausstellung gearbeitet. Am 22. September 2024 eröffnete die Gedenkstätte Hoheneck für den regulären Besucherbetrieb. Zum Gedenken an die in der Haftanstalt Hoheneck inhaftierten weiblichen politischen Gefangenen wurde am 28. Oktober 1991 an der Justizvollzugsanstalt ein Gedenkstein errichtet. Für dieses Ehrenmal hatten sich vor allem der Frauenkreis ehemaliger Hoheneckerinnen e.V., die Friedrich-Ebert-Stiftung und der Bürgermeister von Stollberg, Matthias Wirth, eingesetzt. Alljährlich treffen sich die Mitglieder des Frauenkreises, gedenken ihrer toten Kameradinnen und warnen vor jeder Form von Diktatur. In dem Stein, die von dem Stollberger Steinmetzmeister Friedhold Scheunert angefertigt wurde, ist im oberen Teil eine Bronzekette mit stilisierter Handschelle eingearbeitet.

Kontakt

Gedenkstätte Hoheneck
An der Stalburg 6/7
09366 Stollberg / Erzgebirge

Inschriften

Inschrift des Gedenksteins
(auf dem Gelände der Gedenkstätte)
Den / Opfern / des / Stalinismus
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

22. September 2024 - Eröffnung
Eröffnung der Gedenkstätte Hoheneck

Literatur

  • Latotzky, Alexander: Kindheit hinter Stacheldraht. Mütter mit Kindern in sowjetischen Speziallagern und DDR-Haft, Leipzig 2001
  • Veith, Ines: Hoheneck. Frauen in politischer Haft, 1950–1989. Erfahrungen und Erinnerungen, Dresden 2001

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: An der Stalburg 6/7
  • Stadt: Stollberg / Erzgebirge
  • Ortsteil: Hoheneck
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland