Heinersdorf, Deutschland
Gedenkstätte Heinersdorf-Welitsch
Die Aufteilung Deutschlands nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde bereits im September 1944 – acht Monate vor Kriegsende – auf der Londoner Konferenz von den Alliierten beschlossen und auf der Konferenz von Jalta 1945 bestätigt. Die künftigen Besatzungsgrenzen sollten sich an den in Deutschland existierenden Landesgrenzen von 1937 orientieren. Thüringen war nach Kriegsende zunächst von den Amerikanern besetzt, die sich im Juli 1945 jedoch auf ihr vereinbartes Besatzungsgebiet zurückzogen. Das in thüringische Heinersdorf gehörte damit ab Juli 1945 zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), das in Franken liegende Welitsch zur amerikanischen Besatzungszone.
1993 gründete sich der Förderverein Gedenkstätte Heinersdorf-Welitsch e.V. Die Gedenkstätte konnte schließlich 1995 eröffnet wurden. Sie befindet sich auf dem ehemaligen Grenzstreifen und besteht aus einem Freigelände und drei Ausstellungsräumen. Zu den Exponaten der ehemaligen Grenzsperranlagen gehört ein 30 Meter langes Stück der Betonmauer, die hier 1982 errichtet worden war, um den Blickkontakt zwischen Heinersdorf und Welitsch zu unterbinden. Diese Mauer war ursprünglich 750 Meter lang. Außerdem sind ein Teil des Kfz-Sperrgrabens und ein über dem Fluss Tettau errichtetes „Bachsperrwerk“ erhalten geblieben. Die Ausstellung befindet sich in einer Holzbaracke, die in den Monaten nach der Grenzöffnung, vom 19. November 1989 bis zur Wiedervereinigung im Herbst 1990, als Abfertigungsstelle für den Grenzverkehr diente. Ausgangspunkt der Dokumentation ist ein Systemvergleich der beiden deutschen Diktaturen. Behandelt werden die Themenbereiche Zwangsaussiedlungen im Grenzbereich, Aufbau und Tätigkeit der Grenztruppen der DDR und die Grenzöffnung 1989. Ein Gedenkstein erinnert an dieser Stelle an die Grenzöffnung am 19. November 1989. Am Eingang der Gedenkstätte befindet sich außerdem eine Gedenktafel mit einer Aufschrift.
Anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 wurde am 15. Juni 2003 vom Förderverein der Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Kronach und Sonneberg auch ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer der innerdeutschen Grenze eingeweiht. In den Stein ist eine Metallplatte mit einer Inschrift eingelassen.
Ebenfalls zur Erinnerung an die deutsche Teilung übergab der Kronauer Bildhauer Heinrich Schreiber eine Skulptur der Öffentlichkeit, die sich auch auf dem Gelände der Gedenkstätte befindet. Sie besteht aus der abstrakten Nachbildung eines Metallzaunes, hinter dem sich Menschen aufhalten. Eine dazugehörige Sanduhr soll die Vergänglichkeit der Teilung symbolisieren.
Kontakt
Förderverein Gedenkstätte Heinersdorf-Welitsch e.V.
Güterstraße 18
96317 Kronach
Inschriften
Inschrift auf dem Gedenkstein
Zum / Gedenken / an die friedlich / erzwungene / Grenzöffnung / am 19.11.1989
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Metalltafel auf dem Gedenkstein
Den Opfern an der innerdeutschen Grenze von 1945 bis 1989
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Wider das Vergessen. 10 Jahre Grenzöffnung Heinersdorf-Welitsch, hrsg. Von der Gedenkstätte Heinersdorf-Welitsch e. V., Kronach 1999
- Pfadenhauer, Rudolf (Hrsg.): Dokumentation zur Gedenkstätte Heinersdorf-Welitsch, Kronach 1995
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: an der Staatsstraße 2201
- Stadt: Heinersdorf
- Gebiet: Thüringen
- Land: Deutschland
