Berlin, Deutschland
Gedenkstätte Günter Litfin
Nach dem Mauerbau 1961 entstanden in Berlin etwa 300 Wachtürme der DDR-Grenztruppen, darunter insgesamt 32 sogenannte Führungsstellen. An diesen Befehlsständen der Kompaniechefs und der Basis der besonderen „Festnahmegruppen“ liefen die Lagemeldungen zusammen. Wegen dieser Funktion waren diese Grenztürme im Vergleich zu den übrigen etwa doppelt so breit. Die Führungsstelle am Kieler Eck in Berlin-Mitte wurde wahrscheinlich 1981 errichtet. Der Turm befindet sich nahe des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal zwischen dem Invalidenfriedhof – der 1951 geschlossen und ab 1961 zum Sperrgebiet erklärt wurde – und der Boyenstraße. Wenige hundert Meter entfernt – am Spreeufer zwischen dem Bahnhof Friedrichstraße und dem Lehrter Bahnhof – kam am 24. August 1961 der 24-jährige Günter Litfin ums Leben. Er war der erste Mensch, der bei einem Fluchtversuch zum Opfer des Schießbefehls an der Berliner Mauer wurde.
Nach dem Ende der DDR erfuhr Jürgen Litfin, der Bruder Günter Litfins, von dem Grenzturm am Kieler Eck. Er bemühte sich darum den Turm zu erhalten, zu einer Gedenkstätte auszubauen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dank seines Engagements konnte der einstige Grenzturm 2003 unter Denkmalschutz gestellt werden. Gleichzeitig gründete Jürgen Litfin einen Verein, besorget aus eigenen Mitteln diverse Arbeiten im und am Turm und realisierte im Inneren des Objekts die bis heute unverändert gebliebene Ausstellung „Von Günter Litfin bis Chris Gueffroy“. Dargestellt werden zahlreiche Dokumente zum Grenzregime, Informationen zu den Todesopfern an der Berliner Mauer sowie die Bemühungen, das Andenken an Günter Litfin wachzuhalten. Eröffnet wurde die Gedenkstätte am 24. August 2003, dem 42. Todestag Günter Litfins.
Im Jahr 2009 trat Jürgen Litfin an die Stiftung Berliner Mauer mit der Bitte heran, die Gedenkstätte zukünftig zu übernehmen und sich für ihren Fortbestand einzusetzen. Nach einem aufwändigen Verfahren erklärten die Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich die Gedenkstätte befindet, sowie die Wohnungseigentümergemeinschaft auf diesem Grundstück ihr Einverständnis, dass die Stiftung Berliner Mauer den Verein Jürgen Litfins im Nutzungsvertrag ersetzt und dessen Aufgaben übernimmt. Am 24. August 2017 ging die Gedenkstätte Günter Litfin schließlich in die Trägerschaft der Stiftung Berliner Mauer über.
Verwandte Gedenkorte
Kontakt
Gedenkstätte Günter Litfin
Kieler Straße 2
10115 Berlin
Stiftung Berliner Mauer
Bernauer Straße 111
13355 Berlin
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(an der Fassade der Gedenkstätte)
Gedenkstätte / Günter Litfin / Ersterschossener am 24.08.1961 / Humboldthafen in Berlin Mitte / und allen Opfern der Berliner Mauer / vom 13.08.1961 bis November 1989
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
24. August 2003 - Eröffnung
Eröffnung der Gedenkstätte Günter Litfin
24. August 1961 - Historie
Günter Litfin kommt bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer ums Leben
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
Weitere Informationen
- Brecht, Christine: Günter Litfin, in: Chronik der Mauer, online abrufbar unter: https://www.chronik-der-mauer.de/todesopfer/171441/litfin-guenter
- Kategorie: Museale Anlage
- Historisch: Ja
- Standort: Kieler Straße 2
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Mitte
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
