Salzgitter, Deutschland
Gedenkstätte für die Opfer des Stalinismus-Kommunismus
Am 11. Juni 1994 wurde auf dem Burgberg von Salzgitter-Lichtenberg eine Gedenkstätte als Mahnmal für die Opfer der politischen Gewaltherrschaft in der SBZ/DDR eingeweiht. Initiator war der Verband politisch Verfolgter des Kommunismus e.V. Die Gedenkstätte wurde in der Vergangenheit mehrfach geschändet. Am 6. Oktober 1997 kam es zur Zerstörung der Gedenktafel (Chronik), die über das Anliegen der Gedenkstätte informierte. Im selben Jahr wurde gar ein Gedenkpfeiler gesprengt.
Der umfangreiche Text der Chronik lautete:
„Gedenkstätte / zur Erinnerung und Mahnung / Im Mai 1945 ging der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende. Eine Vielzahl deutscher Soldaten und Zivilpersonen mussten den / Weg in die Gefangenschaft antreten. Die westlichen Siegermächte entließen diese innerhalb weniger Jahre; im Gegensatz zur / Sowjetunion. Hier musste erst eine Vereinbarung mit der Bundesregierung im Jahr 1955 den Weg in die Freiheit ebnen. / In den damaligen drei westlichen Besatzungszonen begann der Aufbau demokratischer Institutionen. In der sowjetischen / Besatzungszone, später DDR, wurde der Weg zur stalinistisch-kommunistischen Diktatur beschritten. / Um dieses zu erreichen, wurden ab 1945 Oppositionelle, Andersdenkende und für das System unerwünschte Personen bis / 1950 von der sowjetischen Militärmacht verhaftet, willkürlich zu langjährigen Freiheitsstrafen, bis zu 25 Jahre, verurteilt, oder / auch als Internierte in Speziallager der sowjetischen Besatzungszone, Sibirien und am Nordmeer inhaftiert. / Todesurteile in diesem Zusammenhang waren keine Seltenheit. / 1950 wurden die Speziallager Buchenwald und Sachsenhausen (im NS-Regime KZ) von der sowjetischen Militärmacht / aufgelöst. Alle anderen Speziallager übernahmen die DDR-Behörden (Staatssicherheit, Justiz und Volkspolizei) und / nannten sie jetzt Justizvollzugsanstalt (JVA). Die Methoden der Verfolgung änderten sich nicht. Die Behandlung der / Inhaftierten in der DDR wurde Ende der siebziger Jahre durch ein weiteres Strafvollzugsgesetz neu geregelt. Gravierende / Menschenrechtsverletzungen fanden trotz neuem Gesetz bis zur politischen Wende im Jahr 1989 weiterhin statt. / Viele dieser Inhaftierten mussten in der Haft, im Kriegsgefangenenlager und als Verschleppte durch Hunger, Krankheit, körperliche und geistige Isolation ihr Leben lassen. / Die sich des Vergangenen nicht erinnern, / sind dazu verurteilt, / es noch einmal zu erleben / Santanyanan“.
Inschriften
Schild am Standort der zerstörten Gedenktafel (Reste des zerstörten Pfeilers mit Chronik)
Die 1. Chronik / ‚Zur Erinnerung und Mahnung‘ / wurde am 06.10.1997 / gestohlen und zerstört. – / Wir, die Überlebenden der / Gewaltherrschaft von / Stalinismus-Kommunismus / denken, daß durch Diebstahl, / Zerstörung und Verunreinigung, / geschehenes Unrecht nicht / ungeschehen gemacht werden kann. / Jeder bilde sich sein eigenes Urteil!
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Linker Findling unterhalb des Kreuzes
(Linker Findling unterhalb des Kreuzes)
Zum Gedenken der Opfer des / Stalinismus-Kommunismus / 1945 1989
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Findling in der Mitte unterhalb des Kreuzes
Wir vergessen / Euch nicht
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Rechter Findling unterhalb des Kreuzes
(Auf diesem Findling ist das Bildnis „Schrei in die Freiheit“ zu sehen. Dieses Relief wurde auch in eine am 15. Mai 2006 neu aufgestellte Stele eingefasst, die den Verband politisch Verfolgter des Kommunismus als Initiator der Gedenkstätte nennt)
Straflager / der / politischen Häftlinge / 1945–1989 / Bautzen / Brandenburg / Buchenwald / Fünfeichen / Halle / Hoheneck / Jamlitz / Mühlberg / Sachsenhausen / Torgau / Waldheim / Ketschendorf
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Auf dem Burgberg „Kanzel von Salzgitter“
- Stadt: Salzgitter
- Gebiet: Niedersachsen
- Land: Deutschland
