Berlin, Deutschland

Gedenkstätte Berliner Mauer

 
Die Gedenkstätte Berliner Mauer ist der zentrale Erinnerungsort an die Teilung der Stadt Berlin und die deutsche Teilung. Sie gehört zur Stiftung Berliner Mauer und zeigt im ehemaligen Grenzstreifen an der Bernauer Straße auf einer Länge von 1,4 Kilometern die Folgen des Mauerbaus für das Land und die Stadt Berlin und das Umland sowie insbesondere die Lebenswege der Anwohner der Straße. Die Dauerausstellung „1961 | 1989. Die Berliner Mauer“ im Dokumentationszentrum erläutert darüber hinaus den politisch-historischen Kontext der Berliner Mauer und erschließt anhand von Biografien, welche Folgen die Teilung für die Menschen hatte. Durch den Bau der Berliner Mauer wurde die Bernauer Straße zu einem der zentralen Symbole für die Teilung der Stadt. Die Grenze verlief entlang der Häuserfront der Grenzhäuser auf der Ostberliner Seite. Der Bürgersteig davor gehörte bereits zum Westsektor. Viele Bewohner entschlossen sich spontan zur Flucht. Allein in den ersten zwei Monaten nach dem Mauerbau verließen an der Bernauer Straße 113 Menschen die DDR, bis 1989 gab es dort etwa 500 Fluchtversuche. Die Menschen kletterten aus Fenstern, seilten sich aus höher gelegenen Stockwerken ab oder ließen sich in die Sprungtücher der Westberliner Feuerwehr fallen. Einige verletzten sich dabei schwer, auch die ersten Todesopfer des Grenzregimes waren in der Bernauer Straße zu beklagen. Um Fluchten aus den Häusern zu unterbinden, wurden die zur Bernauer Straße gelegenen Türen und Fenster zugemauert und die Bewohner zwangsausgesiedelt. Die Häuser wurden nach 1963 bis auf die Straßenfassaden der Erdgeschosse abgetragen, damit die Grenztruppen ein freies Sicht- und Schussfeld hatten. Schließlich wurden die Grenzhäuser geräumt, der Grenzstreifen weiter ausgebaut und 1985 die Versöhnungskirche gesprengt. Nach dem Mauerfall bildeten sich Initiativen für den Erhalt der Mauer als Erinnerungsort. Am 2. Oktober 1990 erklärte der Ostberliner Magistrat den 212 Meter langen Mauerabschnitt entlang des Friedhofs der Sophiengemeinde zum Baudenkmal und am 13. August 1991 beschloss der Berliner Senat den Bau der Gedenkstätte. Nachdem mehrere Jahre lang kontrovers über die Form des Gedenkens diskutiert worden war, lobte der Bund im April 1994 einen Wettbewerb für die Gestaltung eines nationalen Denkmals für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung aus. Ausgewählt wurde ein Entwurf, der die noch bestehenden Grenzanlagen integrierte und ihre Wirkung mit künstlerischen Mitteln verstärkte. Am 13. August 1998 wurde das Denkmal offiziell eingeweiht. Es besteht aus zwei sieben Meter hohen Stahlwänden, die ein 70 Meter langes Stück der Grenzanlagen einschließen. Damit befindet sich heute das letzte Stück Berliner Mauer, das in seiner Tiefenstaffelung – mit Hinterlandmauer, Signalzaun, Wachturm, Todesstreifen und Mauer – erhalten ist, auf dem Gelände der Gedenkstätte. Am 9. November 1999 eröffnete das Dokumentationszentrum, ein Jahr später wurde die Kapelle der Versöhnung am früheren Standort der Versöhnungskirche eingeweiht. 2007 gab es einen internationalen Wettbewerb zur Neugestaltung der Gedenkstätte, 2015 wurde das Gedenkstättenareal fertiggestellt. Es umfasst heute 4,4 Hektar. Ergänzt wurde unter anderem das „Fenster des Gedenkens“, eine zwölf Meter lange Wand aus Cortenstahl. In die Wand sind Nischen eingelassen, in denen mit schwarz-weißen Porträtfotografien an die mindestens 140 Todesopfer der Berliner Mauer erinnert wird. Zudem wurden die Fundamente gesprengter Wohnhäuser freigelegt und der Verlauf einstiger Fluchttunnel markiert. Im nahe gelegenen S-Bahnhof Nordbahnhof zeigt eine Ausstellung über die „Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin“, wie der Mauerbau die innerstädtischen Verbindungen zerstörte.

Kontakt

Besucherzentrum
Bernauer Straße 119
13355 Berlin
Dokumentationszentrum
Bernauer Straße 111
13355 Berlin

Ereignisse

2009 - Eröffnung
Besucherzentrum
2000 - Einweihung
Kapelle der Versöhnung
9. November 1999 - Eröffnung
Dokumentationszentrum
13. August 1998 - Einweihung
Nationales Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung
13. August 1961 bis 9. November 1989 - Historie
Berliner Mauer

Literatur

  • Sälter, Gerhard: Gedenkstätte Berliner Mauer. Das Grenzregime im Zentrum Berlins, Berlin 2018.
  • Sälter, Gerhard/Dietrich, Johanna/Kuhn, Fabian: Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948–1961), Berlin 2016.
  • Härtle, Hans-Hermann/Nooke, Maria (Hrsg.): Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989. Ein biografisches Handbuch, 3. Aufl., Berlin 2019.
  • Klausmeier, Axel (Hrsg.): Die Berliner Mauer – Ausstellungskatalog der Gedenkstätte Berliner Mauer, Berlin 2018.
  • Klausmeier, Axel/Schlusche, Günter (Hrsg.): Denkmalpflege für die Berliner Mauer. Die Konservierung eines unbequemen Bauwerks, Berlin 2011.
  • Posselt, Isabel/Sälter, Gerhard/Wichmann, Manfred (Hrsg.): Inszeniertes Leid. Das Gedenken an die Maueropfer im West-Berlin des Kalten Krieges. 110 Bilder und 9 Essays, Berlin 2021.
  • Schlusche, Günter/Bernhard, Christoph/Butter, Andreas/Klausmeier, Axel (Hrsg.): Die Mauer als Ressource. Der Umgang mit dem Berliner Mauerstreifen nach 1989, Berlin 2021.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen, Dresden 2018
 
  • Kategorie: Museale Anlage
  • Historisch: Ja
  • Standort: Bernauer Straße 111/119
  • Stadt: Berlin
  • Ortsteil: Mitte
  • Gebiet: Berlin
  • Land: Deutschland