Amt Neuhaus, Deutschland
Gedenkpyramide in Vockfey
Amt Neuhaus gehörte bis 1945 zum Landkreis Lüneburg und zur Provinz Hannover. Durch einen Besatzungswechsel kam es von der britischen zur sowjetischen Zone und somit in den Kreis Hagenow und zum Land Mecklenburg-Vorpommern. 1952 beschloss die DDR-Regierung die Einführung eines strengen Grenzregimes entlang der innerdeutschen Grenze mit schwerwiegenden Folgen für die dort lebende Bevölkerung. Damit verbunden war die erste Zwangsaussiedlungsaktion unter dem Namen „Ungeziefer“ im Juni 1952. Amt Neuhaus, das zum größten Teil im Grenzgebiet lag, war davon besonders betroffen. Insgesamt wurden aus dem Gebiet bei dieser, der zweiten Aktion „Festigung“ und den Einzelaktionen in den 1970er Jahren 407 Menschen ausgesiedelt. Aus dem unmittelbar an der Elbe gelegenen Dorf Vockfey mit den Ortsteilen Kolepant, Neu Schutschur und Pommau verloren 13 Familien ihre angestammte Heimat. Mit dem Ausbau der Grenzsicherungsanlagen und der Schaffung eines freien Sicht- und Schussfeldes für die Wachposten wurden zahlreiche Höfe entlang der Grenze bis zum Ende der DDR abgerissen. 1990 standen in Vockfey nur noch neun von einst 31 Höfen. Nicht mehr verwertbares Material versenkten die Abrisskolonnen in einer nahegelegenen Kuhle. Diese Kuhle, das eigentliche Kolepanter Brack, wurde dann von der Bevölkerung als das „nasse Grab von Vockfey“ bezeichnet.
Mit der Rückgliederung von Amt Neuhaus nach Niedersachsen in den Kreis Lüneburg im Jahr 1993 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten am Elbdeich. Bei Deichbauarbeiten im Sommer 2004 traten Gebäudetrümmer aus Vockfey wieder zu Tage. Die Journalistin Karin Toben und an der Heimatgeschichte interessierte Bürger sowie Opfer der Zwangsaussiedlungen entschlossen sich nach Auffinden der Überreste, ein Denkmal zur Erinnerung an die Ereignisse zu errichten. Ein Teil der Gebäudetrümmer wurde für den Bau einer Gedenkpyramide und eines Informationshäuschens verwandt. Der in Hitzacker praktizierende Arzt Holger Zerbin, der selbst in Kolepant aufgewachsen war, mit seiner Familie zwangsausgesiedelt wurde und später aus der DDR flüchtete, schenkte der Gemeinde Amt Neuhaus einen Teil seines Grundstückes zur Errichtung des Mahnmals. Drei Bauunternehmer der Region führten einen Teil der Arbeiten unentgeltlich als Sponsoren durch, die Sparkassenstiftung spendete 10 000 Euro für das Mahnmal. Der Verein für Bürgerbegegnung erarbeitete Informationstafeln zur Geschichte der Zwangsaussiedlungen. Das Forstamt spendete Holz zur Errichtung von Bänken und Tischen. Anlässlich des 45. Jahrestages der Aktion „Festigung“ und des 16. Jahrestages der Deutschen Einheit wurde am 3. Oktober 2006 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung die Gedenkpyramide eingeweiht. Ein aus den Trümmern geborgener Grabstein fand in der Pyramide einen zentralen Platz. Er trägt eine Inschrift. Im Informationshäuschen sind sieben Tafeln angebracht, die mit Bildern und Texten an die Geschichte der Zwangsaussiedlungen erinnern.
Inschriften
Inschrift des Steins auf der Gedenkpyramide
(an der Kreisstraße zwischen Kolepant und Vockfey)
Gott ruft sein Wille muss geschehen. Einst werden wir uns wiedersehen. Sanfte Ruhe ist der Arbeit Lohn.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
3. Oktober 2006 - Einweihung
Einweihung der Gedenkpyramide in Vockfey
Juni 1952 bis Oktober 1961 - Historie
Im Rahmen der Zwangsaussiedlungen durch das SED-Regime müssen Hunderte Menschen das Gebiet verlassen
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Kreisstraße zwischen Kolepant und Vockfey
- Stadt: Amt Neuhaus
- Ortsteil: Vockfey
- Gebiet: Niedersachsen
- Land: Deutschland
