Dresden, Deutschland

Gedenkplatten „Gruppe der 20“

 
Dresden war bereits Anfang der 1980er Jahre ein wichtiger Ort der Opposition in der DDR. Unter dem Dach der Kirche entwickelte sich auch hier eine Friedens- und Ökologiebewegung, die eine wichtige Grundlage für die Friedliche Revolution in Dresden und in der gesamten DDR war. Im Bezirk Dresden lag die Unzufriedenheit mit dem SED-Staat über dem DDR-Durchschnitt. Etwa ein Viertel aller Ausreiseanträge der DDR wurden in diesem Bezirk gestellt. Die zunehmende Ausreisebewegung von DDR-Bürgern führte 1989 zu einer gespannten Situation in Dresden. Tausende DDR-Bürger hatten die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag besetzt, um ihre Ausreise zu erreichen. Ab dem 30. September durften die Botschaftsbesetzer mit Fernzügen über die DDR in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen. Dabei mussten sie den Dresdner Hauptbahnhof passieren. Menschen aus der gesamten DDR brachen daraufhin auf und versuchten, in diese Züge zu gelangen. Dramatische Szenen spielten sich ab, als die Polizei am 4. Oktober das erste Mal den Dresdner Bahnhof räumte. Die Situation eskalierte. Dazu beigetragen hatte auch die kurz zuvor verhängte Schließung der DDR-Grenze zur Tschechoslowakei, wodurch sich die Menschen in der DDR einmal mehr in ihrem Land eingesperrt fühlen und sich den demonstrationen anschlossen. Da die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 bevorstanden, hatte die Polizei die Anweisung, jede „illegale“ Versammlung zu unterbinden. Die Härte der Sicherheitskräfte trieb dabei immer mehr Menschen auf die Straße, um für Veränderungen in der DDR einzutreten. Bei einer der zahlreichen Demonstrationen in Dresden änderte sich plötzlich das Verhalten der Staatsmacht. Am Abend des 8. Oktober war ein Demonstrationszug in der Prager Straße von Sicherheitskräften eingekesselt worden. Mit Trommelgeräuschen sollten die Demonstranten eingeschüchtert werden. Die Kapläne Frank Richter und Andreas Leuschner gingen auf die Polizeikette zu und baten darum, den Einsatzleiter zu sprechen. Nach einem kurzen Gespräch wurde vorgeschlagen, dass eine Gruppe von Vertretern der Demonstrierenden dem Oberbürgermeister ihre Forderungen überbringen könne. Frank Richter stellte sich auf einen Brunnen und überbrachte die Nachricht den Demonstranten. Daraufhin wurden mehrere Personen unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen dafür ausgewählt. Am Morgen des 9. Oktober 1989 wurde die Gruppe zu einem ersten Rathausgespräch mit Oberbürgermeister Berghofer empfangen. Dies war der Beginn der später sogenannten „Gruppe der 20“. Zu den Forderungen gehörten die Aufklärung der Ereignisse am Hauptbahnhof und die Überprüfung der dabei Verhafteten, eine objektive Medienberichterstattung, Zulassung des Neuen Forums, Reisefreiheit, freie Wahlen, Einführung eines Zivildienstes, Demonstrationsfreiheit und die Fortsetzung des gewaltfreien Dialogs. Oberbürgermeister Berghofer erkannte die Gruppe als offiziellen Gesprächspartner an, zumal sie das Vertrauen der Dresdner hatte. Die „Gruppe der 20“ rief dazu auf, dass jeder Dresdner, der die Gruppe unterstützt, eine Mark auf ein Postscheckkonto überweisen sollte. 100 000 Mark kamen auf diese Weise innerhalb kürzester Zeit zusammen. Bis zu den ersten und einzigen demokratischen Wahlen in der DDR am 18. März 1990 mussten die auf Initiative der „Gruppe der 20“ eingerichteten Arbeitsgruppen zu allen kommunalen Fragen angehört werden. Am 1. Juli 2004 beschloss der Dresdner Stadtrat auf Antrag der CDU, eine dauerhafte Markierung zur Erinnerung an die „Gruppe der 20“ am historischen Ort vorzunehmen. Am südlichen Ende der Prager Straße wurden in den Gehweg Gedenkplatten mit Inschriften eingelassen.

Inschriften

Inschrift der Informationstafel
(am Prager Platz, in den Gehweg eingelassen)
Aus den / Demonstrationen / in Dresden heraus / gründete sich / am 8. Oktober 1989 / kurz nach 21 Uhr / spontan / die „Gruppe der 20“ / als Gesprächspartner / mit der / Staatsmacht. Zu ihr gehörten // René Bachmann / Andreas Bartzsch / Ulrich Baumgart / Friedrich Boltz / Dieter Brandes / Karl-Heinz Denkert / Uwe Glosinski / René Grüttner / Markus Kinscher / Andreas Leuschner / Sabine Linke / Henry Mattheß / Maik Miersch / Beate Mihaly / Klaus Münch / Frank Neubert / Kerstin Nikolaus / Eberhard Ohst / Mario Petry / Heiko Pstrong / Frank Richter / Steven Richter / Bringfriede Roßler / Peter Rosenberg / Olivia Schwarz / Maria Streudner / Burgi Trommer
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1. Juli 2004 - Einweihung
Einweihung der Gedenkplatten „Gruppe der 20“
8. Oktober 1989 - Historie
Gründung der „Gruppe der 20“

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Prager Straße
  • Stadt: Dresden
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland